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Der Harzer Hexen Stieg
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    Harzer-Hexen-Stieg: Deutschlands schönster Wanderweg 2008

                    

    In der Kategorie Routen hat die fünfköpfige Jury des Wandermagazins - bestehend aus Chefredakteur Michael Sänger, Dr. Konrad Lechner, Reiner Penther, Dr. Ulrike Poller und Dr. Wolfgang Todt - den Harzer-Hexen-Stieg als Deutschlands Schönsten Wanderweg 2008 ausgewählt. Lesen Sie hier die Begründung der Jury.

    Der Harzer-Hexen-Stieg wird unterstützt von:

         

     

    Start: Osterode - Ziel: Thale

    Länge: Nordschleife 97 km, Südschleife 101 km, beide Varianten: 150 km

    Der Harzer-Hexen-Stieg wurde am 3. Oktober 2003 eröffnet. Er war der erste Weitwanderweg, der alte und neue Bundesländer verbunden hat: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Er war der erste Weitwanderweg, der einen Nationalpark berührt hat – zum damaligen Zeitpunkt waren es noch zwei, die inzwischen zum Nationalpark Harz verschmolzen sind.

    Das Vorhaben vom Harzer Verkehrsverband (HVV) als touristische Dachorganisation, vom Harzklub e.V. als Dachorganisation für die Wegweisung, -markierung, -pflege und -ausweisung sowie vom Nationalpark Harz beruhte zunächst auf zwei Pfeilern: erstens auf der durchgängigen Nutzung vorhandener Wege und zweitens auf einer Streckenausweisung, die einerseits die problemlose An- und Abreise mit ÖPNV – DB-Stationen gibt es in Osterode und Thale – gewährleisten und andererseits die attraktivsten Landschafts- und Kulturelemente des Harzes in die Streckenführung einbinden sollte.

    Das Vorhaben ist gelungen. Der Harzer-Hexen-Stieg verbindet auf eindrucksvolle Art und Weise Wanderspaß und Informationswert. Variable Etappeneinteilung, zwei mehrtägige Rundwanderalternativen, die gute Einbindung von Gastgeberalternativen und Einkehrmöglichkeiten sowie die herausragende Berücksichtigung des Brockens, der Harzer Schmalspurbahn, des Oberharzer Wasserregals und der einzigartigen Schluchtenlandschaft Bodetal. Dabei verschmelzen Naturgenuss, Kultur- und Zeitgeschichte ungezwungen miteinander und führen zu einem herausragenden, ganzheitlichen Erlebnis.

    Der Harzer-Hexen-Stieg, seit Januar 2008 „Qualitätsweg“ des Deutschen Wanderverbandes, ist anerkannter Prädikatswanderweg und gehört zu den zehn TopTrails of Germany. Er bietet mit insgesamt drei Teilstreckenvarianten zwischen Osterode und Thale eine erlebnisoptimierte Streckenführung durch die unterschiedlichsten Harzlandschaften.

    Beginnend in der pittoresken Fachwerkstadt Osterode entführt der Harzer-Hexen-Stieg den Wanderer zunächst auf gemütlichen Waldwegen in eine typische deutsche Mittelgebirgsumgebung. Auf uralten Handelswegen, die bereits im Mittelalter zum Transport von Erz und Versorgungsgütern für die Bergleute genutzt wurden, steigt man allmählich durch üppigen Mischwald auf die Hochfläche um Clausthal-Zellerfeld.

    Nun wandelt sich der Charakter des Wanderweges: Immer häufiger stößt man, mal pfadig, mal auf bequemem Weg, auf Bergmannsspuren und erlebt auf der zweiten Etappe bis Altenau sogar hautnah das komplizierte, sehenswerte und bereits im Mittelalter entwickelte “Oberharzer Wasserregal“, ein einzigartiges montan- und kulturgeschichtliches Denkmal aus Teichen und einem riesigen Netz an Wasserkanälen. Mehr als 25 km folgt der Harzer-Hexen-Stieg, nahezu steigungsfrei, solchen teils verwunschenen Kanälen Richtung Nationalpark.

    Auch die Natur verändert sich: deutlich gewinnt der Fichtenwald nun die Oberhand und Wasser wird zum prägenden Element. Nicht weniger als sieben Wasserscheiden passiert man mit dem Hexen-Stieg und taucht dabei tief in die moorig-sumpfige Waldlandschaft der Harzer Hochfläche ein.

    Einen weiteren Höhepunkt bietet die Streckenführung zwischen Torfhaus und Königshütte. Gerade dieser Abschnitt, egal ob auf der Hauptstrecke über den erhabenen Gipfel des Brocken oder auf der südlichen Brockenumgehung, bringt die Vielfalt des Harzer-Hexen-Stiegs auf den Punkt: beeindruckende Hochmoorflächen und die Granitfelsen des mächtigen Brockenmassivs prägen den landschaftlichen Part.

    Das Wandern auf Goethes und Heines Spuren, die historische Schmalspurbahn auf den Brocken und nicht zuletzt das unmittelbare Erleben jüngster deutsch-deutscher Geschichte an der ehemaligen Zonengrenze erweitern das Erlebnis auf diesem Fernwanderweg um vielfältige, eindrucksvolle historische Dimensionen. Mögen die Unterschiede zwischen historischem Goetheweg und den Betonplatten des Kolonnenweges der einstigen deutsch-deutschen Grenze noch so gewaltig sein, der Harzer-Hexen-Stieg schafft es, beide scheinbar mühelos in seine breite Palette des kulturgeschichtlichen Rahmenprogramms einzureihen.

    Immer steht die Sorge um die Natur bei allen Attraktionen rund um den Weg an erster Stelle. Umsichtig führt der Harzer-Hexen-Stieg im Gebiet des Nationalparks Harz über Holzstege, Bohlenwege oder Holzbrücken. Ein möglichst schonendes Nebeneinander von Naturschutz und aktivem Naturerleben durch eine Vielzahl von Besuchern wird durch solche Maßnahmen effektiv gewährleistet. Natur und Wandertourismus im wirkungs- und eindrucksvollen Miteinander.

    Damit die Natur den Ansturm natursuchender Wanderer unbeschadet übersteht, ist auch ein gut strukturiertes Wanderleitsystem von Nöten. Dank des sehr guten Wegweisernetzes im Harz ist Verirren quasi unmöglich. Auch ortsunkundige Wanderer, die sich auf dem Harzer-Hexen-Stieg der grünen Hexe auf weißem Grund und im weit verzweigten Wegenetz des Harzklubs den Wegweisern anvertrauen, werden sicher ans Ziel kommen. Im Nationalparkgebiet ersetzen riesige Holzwegweiser die harzüblichen Metallwegweiser mit kleinem Dach. Die geklebte oder auf Kunststoffmarken aufgebrachte Hexenmarkierung wird durch gesprühte Hexenschablonen ersetzt. Differenzierte Entfernungsangaben beinhalten Angaben über Nah- und Mittel- und Fernziel.

    Sehr lobenswert ist es, dass der Wanderer, der auf dem Harzer-Hexen-Stieg das stille Naturerlebnis sucht, nicht gnadenlos dem starken Ausflugsverkehr auf den Brocken ausgeliefert bleibt. Ab Torfhaus kann man mit der Brockenumgehung das hektische Treiben auf Norddeutschlands höchstem Gipfel ebenso vermeiden wie die Unbilden des Wetters, die vor allem im Winter den Brocken zur Herausforderung werden lassen.

    Wer allerdings glaubt, die Bockenumgehung sei nur eine Notlösung, irrt gewaltig. Ob feenhafter Märchenweg, zyklopenhafte Staumauer am Oderteich, Bergbau zum Anfassen in St. Andreasberg und Braunlage dazu herrliche Moor- und Waldpassagen durch das Harzer Waldgebirge – auch diese erste Südroute bietet alles, was die Hauptstrecke beinhaltet, ist allerdings deutlich weniger frequentiert!

    Wiedervereint treffen sich beide Wegführungen vor Königshütte an einem idyllischen Rastplatz, um sich nur wenig später unterhalb einer sagenhaften und sehenswerten Burgruine erneut zu verzweigen. Wer die Strecke nach Altenbrak durch abwechslungsreichen Wald entlang der Kalten Bode absolviert, bekommt bei Rübeland Einblick in die Kalksteingewinnung und kann einen Abstecher in die Zauberwelt der Tropfsteine machen. Die Südroute über Hasselfelde bietet dagegen weite Ausblicke über Wiesen und Felder und führt entlang des Köhlerpfades bis Altenbrak durch majestätische Buchenhochwälder.

    Den wahrlich krönenden Abschluss findet der Harzer-Hexen-Stieg jedoch im wilden Tal der Bode. Einmal mehr wandert man hier auf historischen Spuren, denn schon Goethe ergötzte sich an den wechselnden Gesteinsformationen und der Unbändigkeit der Bode, die auf den letzten Metern eine gewaltige Schluchtenlandschaft alpinen Ausmaßes modelliert hat. Sagenhaft wird es dann kurz vor Thale, wenn nach dem Abstieg in die Tiefen des Felsenlabyrinths der Blick zu Roßtrappe und Hexentanzplatz aufsteigt. Über die verwegene Teufelsbrücke, an Steilhängen vorbei, endet der Harzer-Hexen-Stieg, in Sichtweite des Bahnhofes, am informativen Portal in Thale.

    Auch im Internet kann man dem Harzer-Hexen-Stieg nur gute Noten ausstellen: Hier sind sinnvolle und umfangreiche Informationen über den Weg und die Region abrufbar.

    Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber auch am Harzer-Hexen-Stieg: Wer per ÖPNV jeweils zurück zum Start einer Etappe gelangen möchte, wird häufig genug auf die Geduldsprobe gestellt. Das Streckennetz der Busse der verschiedenen Kommunen entlang des Harzer-Hexen-Stiegs ist nicht miteinander verflochten und vertaktet. Im ungünstigsten Fall bleibt dem Wanderer dann nur die teure Taxinutzung. Um den Harzer-Hexen-Stieg auch für Tageswanderer attraktiver zu machen, wäre ein Verbundnetz, wie man es aus dem Schwarzwald oder anderen Gebieten kennt, ein echter Gewinn. Die neue HarzCard wäre zudem ein attraktives und preiswertes Argument für die dringend nötige Verbundlösung.

    Doch schon jetzt bleibt die Möglichkeit, Strecken auf dem Harzer-Hexen-Stieg mit anderen Wegen des Harzklubs zu Rundwanderungen zu kombinieren, was dank des dichten Wegenetzes problemlos umgesetzt werden kann.

    Resümee:

    Den hohen Anforderungen an einen „Wanderweg des Jahres“ in der Kategorie „Routen“ wird der Harzer-Hexen-Stieg nach vier unabhängigen Begehungen durch die Jury des Wandermagazins, zuletzt im Juli 2008, in allen Punkten gerecht.

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