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Lichterglanz und Winterstimmung

Anna Schütz
  • Weihnachtsmarkt Goslar (Foto: GOSLAR marketing gmbh)
  • Winterwanderweg (Foto: Anna Schütz)

 „Guck mal, Mama! Die Tannen sehen aus, als hätte einer Puderzucker drüber gestreut!“ Und das obwohl es noch gar nicht geschneit hat im Harz. Der Raureif verzaubert Bäume, Sträucher und Gräser und versetzt sogar die zu Beginn stets lauffaulen Kinder in eine ganz besondere Stimmung. Mit Mützen und Handschuhen, langen Unterhosen und warmen Stiefeln stapfen wir bei Eiseskälte durch den winterlichen Wald. Das Ziel ist der Weihnachtsmarkt in Goslar, der gerade zum Schönsten im Land gekürt wurde. Schon von oben sieht man die Weltkulturerbestadt leuchten. Unten angekommen bleiben wir fasziniert stehen, weil es so schön ist. Denn wenn die schmalen Gassen und schieferverkleideten Fachwerkhäuser schon bei unromantischem Wetter gefallen, so erstrahlen sie in der Vor- und Weihnachtszeit vom 26. November bis 30. Dezember in festlichstem Lichterglanz. Vor der mittelalterlichen Kulisse der historischen Altstadt duftet es nach Zimt und Punsch, Bratäpfeln und gebrannten Mandeln. 80 urige, liebevoll dekorierte Holzhütten laden uns dazu ein, die Adventszeit zu genießen.

Und habe ich mir zuhause noch Gedanken um Geschenke und Plätzchen-Back-Nachmittage gemacht und mir fieberhaft überlegt, wie ich alle Weihnachtsfeiern in Sportvereinen, Kindergärten und Schulen unter eine Zipfelmütze kriegen soll, entspannt mich die Atmosphäre hier. Opa und Oma haben die Kinder an der Hand, und wir schlendern zu Weihnachtsmusik zwischen den Büdchen umher. Wir kaufen Schmalzgebäck und Lebkuchen und schauen uns das hübsche Kunsthandwerk an den Ständen an. Die Kinder wollen natürlich Karussell fahren, und ich bin froh, dass es keine knallpinken Einhörner sind und keine metall-blinkenden Raumschiffe, sondern eine kleine gelb-rote Kindereisenbahn, die durch einen Mini-Wald tuckert. Aber weil sie eigentlich alle schon ein bisschen zu alt sind dafür, lassen sie sich nach einer Runde in den Weihnachtswald für die Großen locken, der gegenüber auf uns wartet.

Da stehen 50 riesengroße mit zahllosen Lichtern und Kerzen geschmückte Nadelbäume. Mitten in der Goslarer Altstadt betreten wir dichten, duftenden Waldboden, der aus frisch geschreddertem Holz besteht; im Zentrum sehen wir eine kleine Lichtung. „So was habe ich noch nie gesehen!“ staunt mein Großer. „Ich auch nicht“, erwidere ich und fühle mich ganz geborgen im Dunkel des Waldes. Da kommt mein Mann schon mit Heidelbeer-Glühwein und Kinderpunsch. „Mmmmhhh... – Danke!“ „Da!“, sagt er und zeigt zum Waldrand: „Da wird ein Baum frei!“ Er meint natürlich das kleine Tischchen, das an seinem Stamm befestigt ist, und um das wir uns alle versammeln. Mit unseren heißen Tassen in der Hand blicken wir immer wieder fast andächtig nach oben und können das „Süßer die Glocken nie klingen“ im Hintergrund, das wir in Kaufhäusern und Radio gar nicht mehr hören mögen, tatsächlich sogar nachempfinden...

pÜber den Autor
Anna Schütz

Anna Schütz

Anna Schütz ist Autorin für Reisen, Lifestyle und Familienthemen. Nach Stationen in Berlin, Köln, Paris und München ist sie vor zehn Jahren mit ihrer Großfamilie in Hannover gelandet. Den Harz kannte sie bis dahin kaum. Jetzt ist er aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken!

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