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Kopfwäsche für König Hübich

Frühjahrsputz in der Iberger Tropfsteinhöhle

Martin Baumgartner, HarzKurier

 

Einmal im Jahr reinigen die Mitarbeiter des HöhlenErlebnisZentrums die Tropfsteine.

König Hübich hat einen schmutzigen Bart. Und Algen wachsen ihm am Kopf. Margarita Klingebiel sitzt dem Zwergenkönig im Nacken und schrubbt ihm mit einer Wurzelbürste über die Stirn: "Das ist echt anstrengend. Es ist nur schwer runterzukriegen", sagt sie. Es ist das elektrische Licht, das der steinernen Gestalt das Moos im Zwergenbart wachsen lässt. 

Seit 1912 die Menschen Lampen in der Höhle im Iberg installiert haben, wächst dort auch das winzige Grünzeug – und würde die Tropfsteine wohl längst überziehen, wenn diese nicht einmal im Jahr abgeputzt würden. Damit sind Margarita Klingebiel und die anderen Höhlenführer in diesen Tagen beschäftigt. Eine aufwendige und anstrengende Arbeit, über die Steine zu kraxeln, in die Felsspalten zu kriechen und mit den Bürsten und Wischern die Höhlenwände vom Schmutz zu befreien.

Es sind nicht nur Algen und Moose, die sich dort niederlassen. Wo die Besucher die Steine anfassen, bildet sich eine Fettschicht. Margarita Klingebiel greift zum Wassereimer und verpasst dem königlichen Haupte eine Dusche. Mit einem Schwall wird der ganze abgeschrubbte, grün-braune Modder weggespült.

Als Hilfsmittel stehen nur Bürsten und klares Wasser zur Verfügung. "Wir benutzen keine chemischen Reinigungsmittel", sagt Höhlenführerin Sylvia Fröhlich. Die Höhle liegt im Wasserschutzgebiet. Auch Hochdruckreiniger können nicht eingesetzt werden, die würden die Tropfsteine beschädigen.

Der Wasserfall, ein weiteres großes Tropfsteingebilde in der Höhle, ist eine besondere Herausforderung: "Da haben wir im vergangenen Jahr Zahnbürsten benutzt, um in die Zwischenräume zu kommen", berichtet sie. In diesem Jahr ist der Wasserfall-Tropfstein nicht so stark verschmutzt. Vielleicht ein Resultat der neuen Höhlenbeleuchtung mit modernen, kalten LED-Lampen, die im Frühjahr installiert wurde. Früher wurden die Wände großflächig angestrahlt, die neue Beleuchtung werde dagegen eher punktuell eingesetzt. Das bekommt dem lästigen Pflanzenbewuchs anscheinend nicht. "An manchen Stellen stirbt das Moos ab und wird braun", sagt Sylvia Fröhlich. "Ich finde auch, die Putzaktion im vergangenen Jahr war wesentlich aufwendiger. Vielleicht liegt es am Licht", bestätigt Margarita Klingebiel den Eindruck. Sie bringt beste Voraussetzungen für den Einsatz als Tropfsteinhöhlen-Putzfrau mit, wie sie selbst aufzählt: Sie sei klein, schwindelfrei - und habe keine Spinnenphobie. Denn die Höhle ist durchaus nicht unbewohnt: Neben den Fledermäusen, die dort ihr Quartier bezogen haben, lebt im Schutze der Dunkelheit auch Meta menardi, die Große Höhlenspinne. Der bis zu vier Zentimeter große, schwarzbraune Achtbeiner ist doppelt preisgekrönt: Im vergangenen Jahr wurde die Art zur "Spinne des Jahres" zum "Höhlentier des Jahres" gekürt.

"An der Höhlendecke hängen oft ihre Kokons. Die sehen aus wie kleine Wattebäusche" erzählt Sylvia Fröhlich. Viele Besucher würden das ein bisschen ekelig finden. Aber Margarita Klingebiel hat kein Problem mit den Spinnen. Sie putzt um sie herum.

Erschienen im HarzKurier am 23. November 2013

Über das HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle

HöhlenElebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle (Foto: HöhlenErlebnisZentrum, G. Jentsch)

Spannende Erdgeschichte, europäische Höhlenarchäologie und DNA-Forschung unter einem Dach vereint. Im HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfstein höhle trifft man auf die bisher älteste genetisch belegte Großfamilie der Welt –, auf ihr nachgebautes Höhlengrab und sogar auf heute lebende Nachfahren des Clans. 

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