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Zu Besuch bei der Stasi auf dem Brocken

Die Abhörstation „Urian“ und ihre musealen Reste im Brockenhaus

Michael Grube und Dr. Friedhart Knolle
  • Die Stasi-Moschee nach dem Ende des DDR-Grenzregimes (Foto: Wolfram Richter)
  • Die Stasi-Technik in der Kuppel 1991 (Foto: Wolfram Richter)
  • Die Stasi-Technik in der Kuppel 1991 (Foto: Wolfram Richter)

Die bekanntesten Abhörstationen des Ostblocks, vielleicht die bekanntesten in Deutschland überhaupt, standen auf Norddeutschlands höchstem Berg (1141 m). Nutznießer waren die Sowjets und der Staatssicherheitsdienst (Stasi) der DDR.

Nachdem die US-Truppen den Brocken am 20. April 1945 erobert hatten, wurde er am 28. April 1947 in die Verwaltung der Roten Armee übergeben. Seitdem waren hier sowjetische Truppen stationiert. Zuerst befassten diese sich nur mit Sicherungsaufgaben, ab 1955 war dann die Fernmeldeaufklärungsbrigade 82 auf der Kuppe präsent. 1949 wurde im wieder auf- und umgebauten Fernsehturm ein Hotel mit Gaststätte eröffnet. Das alte und berühmte Brockenhotel wurde 1945 völlig zerstört. Auf diesem Gelände richteten die Sowjets bis zu ihrem Abzug 1994 ihre Abhöranlagen ein.

Mit dem Bau der Mauer im August 1961 war es dann mit jeglichem Tourismus vorbei. Der Brocken und selbst der kleine Ort Schierke wurden nun zum Sperrgebiet. Ab jetzt hatte die sowjetische Einheit eine Stärke von rund hundert Mann und war dem sowjetischen Geheimdienst GRU direkt unterstellt. Informationen über Militärbewegungen in ganz Westeuropa wurden vom hier aus gesammelt, aufgezeichnet und weitergeleitet.

Aber natürlich hatte auch die Hauptabteilung III des MfS, zuständig für die Funk- und Fernmelde-Aufklärung, ihre "Ohren" in den Westen gerichtet und diese Anlagen technisch und personell ständig erweitert. Abgehört wurden u.a. B- und C-Netz (Autotelefon), der Polizei-, BGS- und Militär-Funkverkehr in der BRD und Richtfunkstrecken nach Berlin, zwischen München und Hamburg/Hannover, zwischen Hamburg und Bremen und vieles mehr. Die installierten Antennen bestrichen einen Bereich von 25 MHz bis hinauf in den Gigahertz-Bereich. Die Ergebnisse der teilweise automatischen Auswertung wurden per Kabel direkt nach Magdeburg und Berlin weitergeleitet. Zuletzt zwischen 21 und 26 Stasi-Mitarbeiter taten im Dreischicht-Betrieb in der Führungsstelle mit dem Decknamen "Urian" ihren Dienst und lauschten bis zu 400 km in den "Westen" hinein.

Aufgrund der eigenwilligen Form des bis 1986 errichteten Hauptgebäudes mit seiner aufgesetzten Radomkuppel bekam dieses prompt einen ebensolchen Spitznamen: „Stasi-Moschee“. Neben dieser von den Filmstudios in Babelsberg hergestellten Kuppel aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gab es fünf weitere Radome und mehrere Masten, zum Teil mit feinster Technik aus dem "kapitalistischen Ausland" bestückt. Offenbar traute man der eigenen Technik nicht so recht über den Weg. Die Russen mussten dagegen mit mobiler Standard-Militärtechnik auskommen – sie fuhren mit den Funk-Fahrzeugen einfach in die Kuppeln hinein.

In den Jahren 1973 bis 1976 war zusätzlich ein 124 m hoher Antennenmast errichtet worden, der, wie die „Moschee“, hauptsächlich vom Ministerium für Staatssicherheit genutzt wurde. Daneben gab es aber auch zivile Nutzer – so sendete die Deutsche Post von hier aus ihre Fernseh- und Rundfunkprogramme, u.a. auch den Jugendradiosender "DT 64". 1993 wurde der Mast saniert und dient heute der Telekom als Antennenträger.

Am 3.Dezember 1989 erzwangen Demonstranten den Zugang zur bis dahin komplett gesperrten Kuppe. Die russischen Soldaten waren freundlich und versorgten die "Besucher" mit heißem Tee. Erst im Mai 1991 wurde mit dem Abriss der Mauer begonnen, die den gesamten Gipfelbereich umgab, 1992 fiel der letzte Wachturm des Geländes und erst Ende März 1994 räumte die Rote Ar-mee ihre Gebäude.

Seit 1993 befindet sich im "Brockenhaus" eine Nationalpark-Ausstellung zur Geschichte und Natur des Berges. Auch die militärische Vergangenheit wird beleuchtet, stellt aber nur einen Teil des sehr vielfältigen und interessanten Museums dar. Ein Besuch lohnt sich. Weitere Infos dazu auf der Webseite www.nationalpark-brockenhaus.de

Für weitere Hinweise und Informationen danken wir Gerd Borchert und den Mitarbeitern des Brockenhauses, dem Verein Spurensuche Harzregion e.V. (www.spurensuche-harzregion.de), Herrn Wolfram Richter und weiteren Zeitzeugen. Siehe auch die Fotos und Quellen auf der Urian-Seite von www.geschichtsspuren.de

Geschrieben von: Michael Grube und Dr. Friedhart Knolle

Der Brocken - spannender Zeitzeuge und höchster Harzgipfel

Brockengarten - Foto: Nationalpark Harz

Beliebtestes Wanderziel im Harz, höchster Bahnhof der Harzer Schmalspurbahnen, Zuhause des Brockengespenst, im Nationalpark Harz gelegen, Originalschauplatz der Walpurgisnacht aus Goethes Faust, etwa 300 Nebeltage im Jahr und Kulisse eines botanischen Gartens seit 1890 - der Brocken hat viele Geschichten zu erzählen.

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