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Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode

Bismarcks Vizekanzler

Die Harzexperten
  • Bismarck Büste

Wernigerode war eine Keimzelle der Sozialgesetzgebung. Bereits 1873 wurden in der Grafschaft als Reaktion auf die Unzufriedenheit der Arbeiter die Arbeitszeiten verkürzt und der Heiratskonsens aus der Hüttenordnung gestrichen. Im selben Jahr wurden die Statuten einer neuer Arbeiterkrankenkasse genehmigt. Von nun an waren alle in gräflichem Dienst stehenden Arbeiter pflichtversichert. Fast gleichzeitig wurde eine Arbeiterpensionskasse gegründet, die eine Absicherung im Fall von Invalidität sowie die Hinterbliebenenversorgung regelte und die Beerdigungskosten einschloss. Diese sozialen Neuerungen erwiesen sich als großer Erfolg, da die Arbeiterschaft in der Grafschaft in der Folgezeit fast immun gegenüber den Werbungen der Sozialdemokratie war.

Dieser Erfolg veranlasste den Grafen in seiner Position als Vizekanzler des deutschen Kaiserreiches und Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums dazu, die von Bismarck gewünschte Durchsetzung der „Sozialistengesetze“ 1878 kritisch zu betrachten und nach Möglichkeiten einer sinnvolleren Umsetzung zu suchen. Er selbst präferierte in einem Gutachten zur ersten Unfallversicherungsvorlage eine viel umfangreichere Arbeiterversicherung, die auch Krankheit, Invalidität und Hinterbliebenenfürsorge einschließen sollte.

Bismarck war verärgert über die Eigenmächtigkeit seines Vizes, welcher ihn während einer längeren Krankheit vertreten hatte. Dies hatte eine schnelle Verschlechterung des Klimas zwischen Bismarck und Graf Otto zur Folge, so dass der Graf seinen Rücktritt anbot. Dieser wurde ihm schließlich 1881 durch Wilhelm I. genehmigt.

Über Theodor Lehmann und Robert Bosse
Die Vorschläge des Grafen zu Stolberg-Wernigerode gaben einen Anstoß zur später von Bismarck eingeführten Sozialgesetzgebung, der Kranken- und Unfallversicherung 1883/84 und 1889 der Alters- und Invalidenversicherung. Deren Ausarbeitung erfolgte durch den Verwaltungsjuristen Theodor Lehmann. Dieser vertrat insbesondere im Bezug zur Unfallsversicherung eine gänzlich andere Meinung als der Reichskanzler. Bismarck bevorzugte Berufsgenossenschaften mit staatlicher Bezuschussung, während Lohmann versuchte, das zu verhindern. Diese Haltung trug Lohmann schließlich den Ausschluss aus den Verhandlungen ein. Der zweite Beteiligte bei der Ausarbeitung der Sozialgesetzgebung war der Vortragende Rat des Staatsministeriums und spätere Kulturminister Robert Bosse.

Beide Männer waren mit dem Haus Stolberg-Wernigerode verbunden. Graf Otto kannte Lohmann aus seiner Zeit als Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover und auch der Quedlinburger Robert Bosse war dem Grafen als Kammerdirektor des Grafen Karl zu Stolberg-Roßla und Nachfolger Theodor Lohmanns in Hannover gut bekannt. Es ist zu vermuten, dass seine Ideen diskutiert wurden und Eingang in die Ausarbeitungen zur Sozialgesetzgebung fanden. Wenn Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode in seinen Lebenserinnerungen schrieb „…die Gesetzgebung des Reichs folgte meinen Vorschlage“, so ist dies wohl ein wenig übertrieben, aber doch nicht ganz fern der Wahrheit.

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