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Die Halberstädter Jungfer und ihre Wiese

Südharzer Kultur und Tradition

A. Schäfer, Regionalverband Harz e.V.
  • Apfelbaum im Herbst
  • Flachlandmaehwiesen (Foto: Torsten Weber)
  • Siebenschlaefer (Foto: VDN, Angelika Hecht)Siebenschlaefer_VDNAngelika_Hecht


Das typische Landschaftsbild im südlichen Harzvorland prägen ausgedehnte Wälder und weite Streuobstwiesen. Geologie und Klima bilden hier die optimale Grundlage für saftige Birnen, Äpfel, Pflaumen und Kirschen. Die menschgeschaffene Kulturlandschaft hat lange Tradition im Südharz: Es ist davon auszugehen, dass seit mehr als 900 Jahren der Obstanbau in der Region floriert. Die lange Obstbau-Tradition und Sortenveredelung hat eine große Vielfalt von regionalen Sorten hervorgebracht, wie z. B. den „Halberstädter Jungfernapfel“, den Apfel „Schöner von Nordhausen“ oder die Birnensorte „Nordhäuser Winterforelle“. Insgesamt kommen im südlichen Harzvorland über 200 verschiedene Apfel- und Birnensorten vor. Heutzutage werden jedoch viele der Streuobstwiesen nichtmehr genutzt und sind überaltert.

Biologische Vielfalt
Doch nicht nur Auge und Gaumen des Menschen erfreuen die Streuobstwiesen, auch für Tiere, Pflanzen und Pilze bilden sie einmaligen Lebensraum und Nahrungsquelle. In den Baumkronen summen zur Blütezeit Wildbienen und Honigbienen und legen den Grundstein für Birne, Apfel und Co. Geschützte Vogelarten wie Neuntöter und Grünspecht finden auf der Streuobstwiese geeignete Nahrungs- und Brutmöglichkeiten. Verschiedene Fledermäuse und Siebenschläfer sind weitere Streuobstwiesen-Bewohner. Das Naturschutzrecht des Landes Sachsen-Anhalt stellt die Streuobstwiese wegen seiner hausragenden Bedeutung für die Biologische Vielfalt unter Schutz.
 
Nicht nur die Bäume der Streuobstwiese selbst, sondern auch deren „Unterlage“ sind etwas Besonderes: Durch die traditionelle Wiesennutzung sowie die geologischen und klimatischen Bedingungen hat sich hier eine einmalige Pflanzengesellschaft herausgebildet: Im südlichen Harzvorland sind häufig magere Flachland-Mähwiesen oder Kalk-Trockenrasen unter Streuobstwiesen anzutreffen. Wegen ihrer Bedeutung für den Erhalt der europäischen Artenvielfalt stehen diese Lebensräume unter besonderem europäischem Schutz nach der FFH-Richtlinie (Fauna/Tiere-Flora/Pflanzen-Habitat/Lebensraum). Sie sind Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000.

Streuobst(wiese) erleben
Im europäisch ausgezeichneten FFH-Schutzgebiet: „Buntsandstein- und Gipskarstlandschaft bei Questenberg im Südharz“ gelegen, lassen sich auf einer Wanderung zwischen Hainrode, Questenberg und Wickerode wunderschöne Streuobstwiesen des Südharzes erleben. Teilweise sind die Streuobstwiesen noch in Bewirtschaftung; viele liegen brach. Der Unterschied ist zumeist deutlich sichtbar: auf nicht mehr bewirtschafteten Wiesen wachsen vermehrt Büsche; viele Obstbäume sind alt oder abgestorben. Nur eine regelmäßige Pflege der Streuobstwiesen durch Mahd, Beweidung und Neupflanzung sichert den Erhalt dieses einmaligen Lebensraumes.

Eigenes Obst aus dem heimischen Garten oder der Streuobstwiese steht bei den Südharzer Obsttagen jährlich im September oder Oktober im Mittelpunkt. Neben einer umfangreichen Obstsortenausstellung werden hier Obstsorten von Experten genauestens bestimmt. Vielleicht schlummert ja eine Rarität in Eurem Garten?

Weitere Informationen unter: www.bioreskarstsuedharz.de und www.foerderverein-zukunft-im-suedharz.de

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Der Regionalverband Harz e.V.

Der Regionalverband Harz e.V.

Der Regionalverband Harz e.V. setzt sich für die Förderung des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes sowie der Kunst und Kultur in der Region Harz ein. Zu den über 100 Fördermitgliedern gehören Städte und Gemeinden, Unternehmen bzw. Unternehmerinnen und Unternehmer und andere Vereine und Verbände.

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