Menü

Der Räuber von Finsterberg

Questenkränze (Foto: A. Hoch)

oder: Auch Männer mögen manchmal Blumen

Halb im Wald verborgen liegt die Ruine Quästen- oder auch Questenburg. Reste des Bergfrieds, einige Mauern, ein Kellergewölbe und ein nunmehr nutzloses Burgtor erinnern an eine ehemals uneingenommene Feste. Der Ausblick ist so schön wie seit Gründung der Burg: das Dorf Questenberg und seine Umgebung liegen einem zu Füßen...

In der ehemaligen Burg Finsterberg hauste der Ritter Kurt. Sein Tagewerk – Rauben und Erpressen– stand im völligen Gegensatz zu dem Wesen seiner frommen Frau. Diese nahm ihm bei ihrem Tode das Versprechen ab, ihrer gemeinsamen Tochter Maria zuliebe die Überfälle aufzugeben. Der Räuber versprach es und lebte die ersten Monate gottgefällig, ja hin und wieder flocht er mit seiner Tochter Blumenkränze, auch Quästen genannt, wie die Tochter es einst mit der Mutter getan hatte. Doch dann brach das alte Wesen Kurt von Finsterbergs hervor, schlimmer noch als einst raubte er. Bei seinen Streifzügen lies er sein kleines Töchterchen einfach in der Burg zurück. So schutzlos, verließ Maria eines Tages beim Blumensuchen für ihre Kränze den Burggarten und entschwand den Blicken der unachtsamen Kindermagd. Als der Ritter heimkam und den Verlust seines Kindes bemerkte,war der Schmerz groß. Alles Suchen war umsonst und man glaubte Maria tot oder von umherstreunenden Zigeunern geraubt.

Da dies am ersten Pfingsttag passierte, meinte Kurt daher, eine Gottesstrafe zu erhalten. Er schwor sein Leben zu ändern, wenn er sein Kind wiederfände. Maria war jedoch den schönsten Blumen folgend mitten im Wald angekommen, wo ein Köhler das erschöpfte Mädchen schlafend fand. Da der Köhler weltfremd lebte, wussten er und seine Familienichts von der Suche nach dem Kinde, Maria selbst konnte auch nicht helfen. So wurde sie in der Köhlerfamilie voller Herzlichkeit aufgenommen. Am dritten Pfingsttage jedoch kamen Bauern aus der Burggegend vorbei. Und als die blumenpflückende Maria ihnen sagte: „Ihr lieben Leute, nehmt doch diese Quäste meinen guten Vater mit!“ wurde sie von den Fremden erkannt. War das eine Freude, als das Kind heimkehrte! Kurt belohnte den Köhler und die Bauern reichlich und von diesem Tage an ist vom einstigen Räuber tatsächlich keine Grausamkeit mehr überliefert. Die Burg wurde nun freundlicher hergerichtet und zur Erinnerung an die Kränze Marias Quästenburg genannt. Noch heute feiert man zu Pfingsten im Dorfe Questenberg dieses Ereignis.

Interessant

Der Raubgrafenkasten

oder: Platz ist in der kleinsten Hütte

Details >

zurück
Karte

    loading
    • Persönliche Beratung und Tipps vor Ort & zur Reiseplanung
    • Die beste Auswahl an Hotels und Ferienwohnungen persönlich getestet
    • Tipps von ausgesuchten Reiseexperten aus der Region