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Die blecherne Henne

Am Portal der St. Salvatorikirche (Foto: F. Balck)

oder: Weniger ist mehr

Schaut man sich das Portal der St. Salvatori-Kirche in Clausthal-Zellerfeld näher an, so fällt einem statt Engel oder Taube ein anderes geflügeltes Wesen auf. Eine Glucke mit ihren Küken schmückt das Gotteshaus. Wie mag dieser Vogel dahin geraten sein?

Als nach einem Brand die Zellerfelder Kirche wieder aufgebaut werden sollte, sollte jeder nach Größe seines Vermögens einen Teil dazu beitragen. Im Ort wohnte auch ein armer Mensch, der gern etwas gegeben hätte, aber das Geld reichte gerade für sich und seine Familie. Aber er beschloss im Wald ein wenig zu sammeln und den Erlös für den Bau der Kirche zu spenden. Unglücklicherweise verirrte er sich, kam an einen freien Platz und ehe er es sich versah, überwältigten ihn drei Männer. Sie verbanden ihm die Augen und führten ihn fort. Er bemerkte, dass es unter Tage ging und als ihm die Binde abgenommen wurde, stand er in einem herrlichen Saal, der voll mit maskierten Männern war. Einer von diesen verhörte ihn; an ihn wandte der Zellerfelder auch die Bitte, wieder zu Frau und Kindern gelassen zu werden. Statt dessen wurde er gebeten, seinen Hunger an den schönen Speisen zu stillen und eine Nacht über dieser Angelegenheit zu schlafen.

Beim Einschlafen machte sich der Arme seine Gedanken, kam aber zu dem Schluss, dass er nicht unter Räuber gefallen sein könne, da er so gut behandelt wurde und es vielleicht Venediger wären. Am nächsten Morgen fragte man ihn, ob er Lust hätte, die Welt zu sehen und reich zu werden. Der Harzer blieb aber bei seiner Antwort, dass er seinen Teil zur Kirche beitragen und er seine Familie unterstützen wolle. Das sahen die Fremden, dass er eine ehrliche Haut war und gewährten ihm einen Wunsch. Da erbat er sich ein paar Groschen. Das amüsierte die Venediger, die ihn in ein Zimmer voll Fässer mit Goldstücken führten. Doch der Zellerfelder rührte die Münzen nicht an, zu groß war seine Angst, dass man meinen könnte, er hätte sie gestohlen. Als letztes boten ihm die Venediger eine blecherne Henne an, die der Mann schließlich annahm. Darauf wurde ihm wieder die Augenbinde angelegt und erst wieder abgenommen, als er sich auf einem Weg nach Zellerfeld befand.

Zu Hause war die Wiedersehensfreude groß. Als er die Blechhenne zeigte, öffnete sich auf einmal am Bauch eine kleine Klappe, aus der lauter kleine Goldstücke purzelten, die wie Küken aussahen. Und da mit diesem Reichtum ein gutes Stück der Kirche gebaut werden konnte, ließ man zum Wahrzeichen eine Glucke mit ihren Küken in Stein hauen und als Andenken über den Kirchentüren einsetzen.

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