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Roswitha von Gandersheim (um 935 - um 980)

Auf einen Blick

  • Bad Gandersheim

Roswitha von Gandersheim (um 935 - um 980) – „helltönende Stimme“ aus dem Mittelalter

Dank ihrer literarischen Werke ist Roswitha von Gandersheim, die sich selbst als „Hrotsvit“ bezeichnete, über 1000 Jahre unvergessen.

Sie lebte im sächsischen Kanonissenstift Gandersheim, im 10. Jahrhundert einer der wichtigsten ottonischen Familienstifte mit entsprechenden Rechten und Privilegien. Die Bewohnerinnen des unter königlichem Schutz stehenden Stiftes wurden Kanonissen genannt und stammten aus hochadeligen Familien. Als Ort des Wissens diente ein Stift auch zur Ausbildung und Erziehung für adlige Töchter. In diesem „politischen, religiösen und kulturellem Zentrum des Reiches“ konnte sich Roswitha zur ersten deutschen Schriftstellerin entwickeln. Aus ihrem Lebensort sowie wenigen biographischen Notizen in ihren Werken kann man ableiten, dass sie selbst aus einer adligen Familie stammen musste und sie im Stift in Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik, Grammatik, Dialektik und Rhetorik unterrichtet wurde. Sie hatte Zugang zur antiken Dichtung, die Ausgangslage für ihre eigenen Werke wurde. Als besondere Förderin wird ihre aus kaiserlicher Familie stammende Äbtissin Gerberga genannt.

Ihr Schaffen lässt sich in drei Abschnitte unterteilen: Vor 959 schrieb sie acht christliche Legenden die auf biblische Erzählungen und Märtyrer- und Heiligengeschichten fußen. Ab 963 arbeitete sie an sechs überlieferten Dramen. Hauptthema ihrer lateinisch verfassten Werke waren das Lob Gottes, die Herausstellung der „heiligenden Kraft jungfräulicher Christusbrautschaft“, der „Sieg des Ewigen über das Zeitliche“. Ausgehend von ihrer großen Belesenheit, Bildung und dem literarischen Talent gelang ihr dies unterhaltsam und lehrreich zugleich. Zuletzt verfasste sie zwei historische Epen; eines beschäftigt sich mit der Herrschergeschichte ab der Wahl König Heinrich I. bis zur Krönung Kaiser Ottos II. 967, das andere gibt einen geschichtlichen Abriss des Stiftes Gandersheim bis 973 wieder.

Ihr Werk wurde im 15. Jahrhundert wieder entdeckt, im 19. Jahrhundert stellte man fälschlicherweise z. T. ihre Autorenschaft in Frage und heute wird Roswitha besonders im Fokus der Frauengeschichte untersucht.
   
Auf den Spuren Roswithas in Gandersheim:

In Andenken an Roswitha finden seit 1959 die Gandersheimer Domfestspiele statt. Den Roswitha-Ring erhält als Auszeichnung eine Schauspielerin aus dem Domfestspiel-Ensemble. Der jährlich vergebene Roswitha-Preis würdigt eine Autorin. Im Stadtbild Gandersheims finden sich der Roswitha-Gedenkstein vor dem Chor der Stiftskirche, das Roswitha-Fenster in der Stiftskirche und der Roswitha-Brunnen vor der Abtei. Ein Teil der Ausstellung des Museums der Stadt Bad Gandersheim im Rathaus stellt Roswitha näher vor.

Literatur zum Nachlesen und Quellen:

KatrinetteBodarwé: Hrotswit zwischen Vorbild und Phantom. In: Martin Hoernes, Hedwig Röckelein (Hg.): Gandersheim und Essen – Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften. Essen 2006.

Bert Nagel: Hrotsvit von Gandersheim. In: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 676-678. Onlinefassung]: URL: www.deutsche-biographie.de/pnd118553941.html

Kurt Kronenberg: Roswitha von Gandersheim und ihre Zeit. 3. Aufl., Braunschweig 1964.

Broschüre der Stadt Bad Gandersheim: Roswitha von Gandersheim.

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