Natura Tipp 15 - Staufenberg und Südharz bei Zorge

Auf einen Blick

  • Start: Mündung des Elsbach in die Zorge
  • Ziel: Mündung des Elsbach in die Zorge
  • 9,95 km
  • 3 Std. 12 Min.
  • 554 m
  • 324 m

Wanderung um die Hundermorgenwiese bei Zorge

Wanderung um die Hundermorgenwiese bei Zorge

Das Tourendashboard

Wegbelege

  • Asphalt (4%)
  • Wanderweg (21%)
  • Schotter (74%)
  • Unbekannt (1%)

Wetter

Weitere Informationen

Wegbeschreibung

Von Zorge...

Wo der Elsbach in die Zorge mündet, befindet sich der Ausgangspunkt unserer Wanderung. Zorge meint also zunächst den linken Nebenfluss der Helme, der innerhalb des gleichnamigen Ortes aus dem Zusammenfluss von Sprakel- und Wolfsbach entsteht. Die Quelle des Großen Wolfsbachs befindetsich 569 m über NHN im 5 km entfernten Hohegeiß. Bis zur Els-bachmündung in Zorge bei 339 m über NHN sind auf dieser kurzen Strecke schon 230 Höhenmeter überwunden! Die Menschen hier im Tal lebten also immer in Sorge, dass der Felsenbach (germ.Szurgenge) bei starken Niederschlägen zum reißenden Flusswird. So mag der Name des zur Gemeinde Walkenried gehören-den Ortes erklärt sein. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegesfand sich der Name Zorge auch im Reichskursbuch, denn seit1907 sicherte die normalspurige Kleinbahn Ellrich – Zorge denAnschluss an das überregionale Eisenbahnnetz. Die Zonengrenzehinderte ab 1945 den Weiterbetrieb der Strecke. In den Jahren1965 bis 1967 wurden die Gleise von Unterzorge bis Zorge schließ-lich demontiert. Das Bahnhofsgebäude an der Endstation Zorge(Südharz) existiert noch. Wir nutzen den dortigen Parkplatz alsAusgangspunkt unserer Wanderungen in das FFH- und Vogelschutzgebiet. Über den Verlust der Eisenbahn trösten wir uns nicht gleich mit einem „Glen Els“, auch wenn die Verführung groß ist! Der aus dem FFH- und Vogelschutzgebiet kommende Elsbachgab dem Harzer Single Malt Whisky seinen Namen. Destillerieund Spirituosenmanufaktur befinden sich im früheren Kurhausgleich am Parkplatz. Der Name „Hammerschmiede“ ist eine An-lehnung an das Fasslager des Familienunternehmens in den Gebäuden der früheren Wiedaer Hütte. Wir lassen die verführeri-schen Fässer rechts liegen, wandern stattdessen im Elsbachtalbergauf in Richtung Stiefmutter.

 

...über die Stiefmutter....

Den Harzklub-Wanderweg 32 Thale-Benneckenstein-Zorge-Walkenried, dessen 6,9 km langer Abschnitt O den Bahnhof Ellrich in Thüringen über Roter Schuß und Staufenberg mit demfrüheren Bahnhof Zorge verbindet, wandern wir bis zur Wege-kreuzung Stiefmutter. Von dort 100 m entfernt befindet sich inder Schutzhütte die Stempelstelle Nr. 164 der Harzer Wanderna-del. Hier eröffnet sich uns ein Blick auf die Hundertmorgenwiese,die wir weiträumig umrunden werden. Der Name der Wiese gibtAuskunft zu ihrer einstigen Größe. „Morgen“ ist ein altes Flächen-maß. Es entspricht einem Viertel Hektar. Die ursprünglich also ca.25 ha große Wiese war angelegt worden, um das in Zorge gehal-tene Vieh im Winter mit Heu versorgen zu können. In den 1920erund 30er Jahren wurden auf der Wiese vom örtlichen Wintersportverein Skiabfahrten und sogar Skispringen veranstaltet. Später, in den 1960er und 70er Jahren, war die Wiese nicht mehrein- bis zweimal im Jahr gemäht oder beweidet worden; sie fielbrach. Junge Bäume, überwiegend Fichten breiteten sich aus.Erst in den darauffolgenden Jahrzenten stellten die Niedersächsi-schen Landesforsten die frühere Berg-Mähwiese wieder frei. InZusammenarbeit mit regionalen Landwirten wird die Hundert-morgenwiese nun extensiv als Rinderweide genutzt. Diesem En-gagement ist es zu verdanken, dass wir hier heute noch ein artenreiches Kleinod mit 35 Pflanzenarten der Roten Liste Nieder-sachsens vorfinden.Geologisch befindet sich die Hundertmorgenwiese im Bereichdes Unterrotliegenden (Perm, älter als 258 Mio. Jahre). Die verwitterten rötlichen Gesteine, überwiegend bestehend aus Sandenund vulkanischen Aschen, bilden bei Nässe einen festenSchlamm. Im Plattdeutschen wird von „Steife Modder“ gesprochen, was Ursprung der Ortsbezeichnung „Stiefmutter“ gewesen sein soll.

 

... zum Harzer Grenzweg

Wir gehen das kurze Stück zurück zur WegekreuzungStiefmutter. Von dort zweigt ein schmaler Pfad zum Harzer Grenzweg ab, der hier auf derselben Trasse verläuft wie dieThemenroute Historische Grenzen. Ein Abstecher zur wahrscheinlich sehr alten Zweiländereiche sei dringend empfohlen! Ihre beiden Stämme, von denen einer nach Thüringen, der andere nach Niedersachsen hineinragt, entstammen Stockausschlägen. Gemeinsam wurzeln sie direkt auf der Landesgrenze, einer historisch viel älteren Grenze. Der letzte Grenzstein, der hier gesetzt worden war, trägt einseitig die Buchstaben DDR. Die Gegenseite blieb unbeschriftet, denn die Bundesrepublik Deutschland hatte seinerzeit die innerdeutsche Grenze nicht als Grenze zweier unabhängiger deutscher Staaten anerkennen wollen. Jahrzehnte ist es nun her, dass diese Grenze ihren Schrecken verlor. Seitens der DDR war sie strengstens bewacht worden. Das bestehende Wohlstandsgefälle von West nach Ost und der Freiheitswille vieler Ostdeutscher führten immer wieder zu Fluchtversuchen. Meist blieben die jedoch erfolglos. Schon im fernen Hinterland der DDR standen in Richtung Westgrenze Reisende unter Beobachtung. Entlang der Grenze gab es ein breites Sperrgebiet, das nur mit Passierschein betreten werden durfte. Darin befanden sich auch Rothesütte und Sülzhayn, die nächstgelegenen Orte in Thüringen. Noch näher der Grenze verlief der sogenannte Schutzstreifen. Er war eingezäunt mit einem Signalzaun. Löste der Alarm aus, wurden sofort zusätzliche Kräfte der Grenztruppen der DDR herbeigeführt. Sie patrouillierten auf dem Kolonnenweg, an den sich ein Spurenstreifen, ein 3 m hoher Streckmetallzaun und weitere Sperranlagen anschlossen. Erst dann folgte das „Niemandsland“, wo heute noch die alte DDR-Grenzsäule aus Beton steht.

 

Zurück zum Ausgangspunkt

Von der Zweiländereiche geht es nun auf dem Harzer Grenzweg zurück und weiter in Richtung Wendeleiche. Der Harzer Grenzweg ist hier Teil der Themenroute „Harz grenzenlos. Entlang historischer Grenzwege durch Natur und Geschichte.“ Geschichte atmet unser Weg auf Schritt und Tritt. Im Abstandvon zuweilen weniger als 20 m stehen fortlaufend nummerierte Grenzsteine. Die Buchstaben KP (Königreich Preußen) weisen in Richtung Thüringen. Von Seiten Niedersachsens gesehen zeigen die Steine die Buchstaben HB (Herzogtum Braunschweig). Als diese Steine, die den genauen Verlauf der Grenze durch eine zusätzliche Gravur markieren, ab 1816 gesetzt wurden, legte man ältere Grenzsteine nieder. Auch diese, grob behauenen Steine aus dem 18. Jh. sind noch zu entdecken. Sie kennzeichneten den Verlauf der Grenze des Stiftsamtes Walkenried (StW) zur Grafschaft Hohnstein. Bereits 1593 war das Territorium des Stifts Walkenriedan die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg gefallen. Wer wachen Auges wandert, kann auch noch Eichenpfähle des ersten Grenzzaunes entdecken, der die sowjetische Besatzungszone vom Westen Deutschlands trennte. An der Wendeleiche erreichen wir die Stempelstelle Nr. 165 der Harzer Wandernadel (Schutzhütte). Eisenringe am Stamm der Eiche sind Überreste einer Wendeltreppe zu einer 1901 hier eingeweihten Aussichtskanzel. Weiter geht es zum geheimnisumwitterten Ort der Schwan-geren Jungfer. Ist damit wirklich nur der merkwürdig geformte Grenzstein gemeint? Egal, hier jedenfalls verlassen wir den Harzer Grenzweg und steigen ab zur Hundertmorgenwiese. Dabei lassen wir unsere Blicke in die Ferne schweifen, entdecken u. a.den Brocken. Ostwärts geht es um die Hundertmorgenwiese unds chließlich entlang des Elsbaches zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.

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