© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Sangerhausen von Osten (Rosarium)

1838

Das Motiv

39. Sangerhausen, Richter
© Schloß Wernigerode GmbH

Dieser Malerblick liegt vor dem heutigen Stadtzugang in das Rosarium. Er führt in Zeiten zurück, da gab es das Rosarium noch nicht. Aber hier war Sangerhausens Spazier- und damit auch Malergegend mit Teichen. Bürger der Stadt mit Rosen-Leidenschaft gründeten vor mehr als 100 Jahren den Stadtpark, aus dem sich die heutige Hauptattraktion der Stadt, das Rosarium, entwickelte. Stadt und Rosarium gehören also zusammen.

Adrian Ludwig Richter war im Sommer 1836 hier. Das ab 1821 abgerissene Riestädter Tor hatte eine Lücke geschaffen, und die heutige Bergstraße war kahl und unbebaut. Das Bild zeigt von links nach rechts: den Turm des Alten Schlosses, dann die Jakobi-, davor die alte romanische Ulrichkirche. Im Hintergrund die Höhen des Kyffhäuser, bekrönt von den Türmen der Rothen- und Kyffhäuserburg – das bekannte Denkmal entstand erst viel später.

Das Bild ist eine Einladung zum Stadtrundgang. Alte und junge Rosenstöcke sind auch in der Stadt zu bewundern. Ein Tipp ist der Weg durch das Husarenpförtchen, hinauf zur südlichen Stadtmauer mit einem schönen Ausblick auf die Altstadt. Über das Flüsschen Gonna geht es nordwärts aus dem Stadtkern hinauf in den von hohen Bäumen beschatteten Spengler-Park mit dem Spengler-Museum, das sich übrigens in einem geheimen Punkt mit dem berühmten Berliner Naturkundemuseum vergleichen kann! Hier können auch die Originale unserer beiden Ansichten betrachtet werden.

  • Robert Sands nach Adrian Ludwig Richter

  • 1838

  • Stahlstich, Blattgröße 12,0 x 16,8 cm

  • aus: Wilhelm Blumenhagen, Der Harz, in: Malerisches und Romantisches Deutschland, erschienen in Leipzig bei Georg Wigand, 1838, aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH, Sammlung Bürger

Wandertipp

Sangerhausens Umgebung ist malerischer als bekannt. Man kann zwischen fünf Rundwanderwegen wählen. Überallhin begleitet der Kegel der Hohen Linde im Norden von Sangerhausen den Blick. Der Berg wuchs seit 1955 als Abraumhalde des inzwischen eingestellten Kupferbergbaus und ist so Zeugnis der langen Industriegeschichte. Dieser Kegel braucht noch Jahrzehnte, bis es auf ihm wächst, er hat aber das Zeug, einmal der berühmteste Aussichtspunkt der Stadt zu werden! Wer mit der Bahn anreist, den empfängt hell, modern und bestens saniert das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1963, der Blütezeit des Kupferbergbaus.

Über den Künstler

Adrian Ludwig Richter (1803-1884) wollte nicht so wie sein Vater und Kupferstecher-Lehrer einfach mechanisch abzeichnen, radieren und kolorieren. Er wollte Gefühle ausdrücken. In Dresden an der Akademie begann er deshalb mit Landschaftsmalerei, ging mit einem Stipendium des Verlegers Arnold aus Dresden nach Italien, hatte auch Erfolge. Aber seit acht Jahren saß er in Meißen als Lehrer an der Porzellanmanufaktur fest, zum Malen war wenig Zeit und es brachte auch kein Geld. Drei Kinder hatte er, die geliebte Frau war krank, das Geld reichte nicht. Da kam der Wendepunkt. Er erhielt einen Auftrag, der ihn im Sommer 1836 auch in den Harz führte. In seinen Lebenserinnerungen hat er beschrieben, wie es dazu kam.

Seitdem zeichnete Richter vor allem Vorlagen für Druckgraphik und die machte ihn berühmt. Weil er die armen Leute beobachtete und in seine Bilder Trost hineinmalte. Spätromantischen Idyllen, die den Nerv trafen. Eine solche wird auch im Vordergrund des Sangerhausen-Blattes erzählt: Der reiche Mann neben dem Wagen kommt aus christlicher Nächstenliebe, die arme Sangerhausener Witwe mit ihrer Tochter in bessere Verhältnisse nach Osterode zu holen. Verständlich, dass der Künstler zugunsten einer schönen Bild-Einheit die Topographie künstlerisch etwas frei handhabt.

Aus den Lebenserinnerungen von Adrian Ludwig Richter

„Eines Tages kam Arnold [mein Verleger] mit einem ungewöhnlich griesgrämigen Gesicht zu mir und stellte mich zur Rede, daß ich einem Leipziger Verleger Georg Wigand meine Zustimmung zum Kopieren einiger Prospekte der sächsischen Schweiz seines Verlages gegeben haben müsse. Mir war weder der betreffende Verleger noch das fragliche Opus bekannt, ich begriff aber wohl, wie der durch Nachdruck schon früher vielfach und schwer geschädigte Papa Arnold durch Eingriffe in seine Rechte in Verbitterung kommen mußte. Leicht konnte ich ihm mein Unbeteiligtsein an dieser Sache dartun und wir schieden in alter Freundschaft. Da er nun Wigand mit einer Klage bedrohte, kam dieser nach Dresden, und die beiden Männer verglichen sich. Bei dieser Gelegenheit besuchte mich Wigand, der, damals noch ganz unbekannt mit Kunst und Künstlern, von meiner Existenz in Dresden zuerst durch Arnold erfahren hatte. Er erzählte mir, daß es sich in dem Streite mit diesem um Benutzung einiger Blätter „Ansichten der sächsischen Schweiz“ für sein im Entstehen begriffenes Kupferwerk „Das malerisch romantische Deutschland“ handle; er habe die von mir radierten Blätter nach London gesandt und dort für den Stahlstich in eine wirkungsvollere Manier übersetzen lassen und sie teuer bezahlen müssen. Schließlich fragte er mich, ob ich einige der noch fehlenden Ansichten zur Sektion der „sächsischen Schweiz“ für ihn nach der Natur zeichnen und ausführen wolle. Nun hatte ich mich schon in Rom mit der Idee beschäftigt künftig einmal ein Werk „Die drei deutschen Ströme, Rhein, Donau, Elbe“ zu zeichnen und zu radieren, in welchem nicht nur die malerischen, sondern auch die historisch merkwürdigen Gegenden, Städte, Burgen, Klöster usw. in Verbindung mit den Volkstrachten Festen und Gebräuchen zu einem poetischen Gesamtbilde verarbeitet werden sollten. Ich entwickelte Wigand im Laufe des Gesprächs diese altgehegte Lieblingsidee, und mit Begeisterung rief er aus, das sei es, was ihm, aber ganz unklar, vorgeschwebt habe, und er bat mich, einige Abteilungen des Werkes zu übernehmen. Wir einigten uns über die Sektionen: „Harz“, „Franken“, „Riesengebirge“, und auf diese Weise kam ich zuerst in geschäftliche Verbindung mit Georg Wigand, und die zum „malerischen und romantischen Deutschland“ übernommenen Zeichnungen wurden die Brücke zu meinen späteren Kompositionen für den Holzschnitt. Die Reisen in jene malerischen Gegenden Deutschlands wurden größtenteils zu Fuße zurückgelegt und lieferten fürs Skizzenbuch und die Erinnerung eine reiche Ausbeute von Bildern und Erlebnissen aus dem deutschen Volksleben, die mir für mein späteres Schaffen vielfach zugute kamen.“

Zum Vergleich

39.2 Sangerhausen, Agthe
© Spengler-Museum Sangerhausen

A. Deinert nach Christoph Agthe, An der Schafbrücke über den Teichen bei Sangerhausen, um 1830, Lithographie, Blattgröße 33 x 47 cm, gedr. bei Robrahn u. Co. in Magdeburg, Spengler-Museum Sangerhausen, zu sehen in der ständigen Ausstellung

Die heutigen Teiche sind viel älter als das Rosarium. Sie waren die Wasservorratsbecken für Sangerhausen. Schon seit dem 16. Jahrhundert zweigte hier ein unterirdisches Röhrensystem ab und versorgte jeden Haushalt mit Wasser. Das gab dem Röhrgraben seinen Namen. An diesem kann man beim RosenCafe im Rosarium noch heute entlang gehen. Dort war auch die Schafbrücke, der Standort des sonst nicht weiter bekannten Zeichners Christoph Agthe.

39.3 Sangerhausen Plakat
© Europa-Rosarium Sangerhausen

Plakat der Rosen-Ausstellung, 1903, Lithographie, ca. 80 x 60 cm, Europa-Rosarium, ausgestellt als Repro im Kassenhaus des Stadteingangs

Diese älteste bekannte künstlerische Darstellung vom Rosarium ist nicht fotografiert wie unsere heutigen Plakate, denn beim Malen konnte das Besondere deutlicher und vor allem farbig herausgearbeitet werden: die Rosen-Rabatten und einer der Teiche. 1896 gründeten 76 Sangerhausener Bürger einen Verschönerungs-Verein und wollten einen Stadtpark bei den drei Teichen am Röhrgraben schaffen, der schon immer eine beliebte Spaziergegend war. Mit ihren botanischen Kenntnisse und ihrer Rosenzucht gaben sie ihm seinen Charakter. Mehr als vervierfacht wurde das Gelände inzwischen zur weltgrößten Rosensammlung. Duft und Schönheit der Blüten locken jährlich 100.000 Gäste. Der Pavillon mit der Zahl 1898 in der Wetterfahne markiert die Grenze dieses tiefer gelegenen ältesten Teils.

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