© Niedersächsische Landesforsten

Initiative "Der Wald ruft"

Der Wald ruft! Manch einer im Harz möchte sagen: der Wald schreit auf.
Jahrzehntelange Einwirkungen auf das Klima werden erst jetzt schmerzlich sichtbar. In einigen Teilen, wo einst herrliches Grün für schattige Wege sorgte,
ragen kahle, silbergraue Stämme in den Himmel. Wegschauen geht nicht mehr. Hinschauen ist angesagt. Und Handeln. Dafür sind Mitarbeiter der Forst,
des Nationalparks, beauftragte Firmen und Helfer rund um die Uhr im Einsatz.

Aus erster Hand informiert sein, wissen was momentan im Wald passiert, vor welchen Herausforderungen die Akteure stehen und wie sich der Harz
als Urlaubsziel hier und da verändert. Die Fakten kennen, mitreden können und vor allem auch Verantwortung für unsere Natur und unsere Lebensräume übernehmen.

Im Kern geht es der Initiative darum, Gäste, Einheimische und interessierte Besucher zu informieren, sie aktiv in die sichtbar werdenden Entwicklungen einzubeziehen und ihren Blick für die dynamischen Naturprozesse zu schärfen. Das umfasst auch die Vermittlung der unterschiedlichen Handlungsstrategien im Wirtschaftswald und im Nationalpark Harz, um auf diese Weise für Verständnis für die unterschiedlichen Prioritätensetzungen zu werben.
Aktuell laden beispielsweise acht verteilte Fotospots Wanderer ein, den Blick für die dynamischen Naturprozesse im Wald zu schärfen. Durch die Aufnahmen aus bestimmten Blickwinkeln sollen mittelfristig die Veränderungen der Waldentwicklung dokumentiert werden.

Im Überblick:

  1. Gut informiert
  2. Die meistgestellten Fragen
  3. Hintergründe, Partner & Spendenmöglichkeiten
  4. #NimmsWiederMit - die Müllaktion
  5. Berichte zum Waldwandel

Gut informiert!

Ob Tourist oder Einheimischer, hier finden Sie aktuelle Informationen zur generellen Waldisituation und  Veranstaltungen wie Baumpflanzaktionen. Damit Sie den Besuch im Harz bestmöglich planen und genießen können, empfehlen wir einen Blick vorab auf die aktuellen Wegesperrungen.

Die meistgestellten Fragen

Warum sind besonders die Wälder vom Klimawandel betroffen?

Unsere Wälder müssen sich den akuten und schnellen Klimaveränderungen gegenüber anpassen. Für eine solche Anpassung benötigen komplexe Ökosysteme wie der Wald allerdings viele Wald-Generationen, die 100 bis 200 Jahre oder länger dauern können. Mit ihren langen Generationswechseln stehen Waldökosysteme somit ganz besonders unter Druck.

Warum ist gerade die Fichte besonders vom Klimawandel & vom Borkenkäfer betroffen?

Fichten sind Flachwurzler und somit sturmgefährdet. Zudem benötigen Fichten viel Wasser zum Wachsen. Gleichzeitig wird das Wasser auch für die Harzproduktion benötigt, um beispielsweise den Borkenkäfer abzuwehren. Nach dem Orkan Frederike und den trockenen Sommern im Jahr 2018 und 2019 wurden die geschwächten Fichten somit anfälliger für einen Borkenkäferbefall.

Problematisch sind hier insbesondere die Niederschlagsdefizite in der Vegetationszeit. Zudem wachsen heute noch viele Fichtenwälder außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Die zu warmen Lagen oder schlecht durchwurzelten Böden begünstigen die Anfälligkeit dieser Fichtenwälder.

Warum gibt es im Harz so viele Fichtenwälder?

Viele der reinen Fichtenwälder wurden direkt nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzt. Sie waren damals die einzigen schnell wachsenden Baumarten, die als Saatgut in großen Mengen zur Verfügung standen und aus denen Pflanzen für die Wiederaufforstung gezogen werden konnten. Auch war der Anbau anspruchsvollerer Baumarten auf den großen Freiflächen mit ihren extremen klimatischen Bedingungen nicht möglich. Das Holz der Fichten wurde dringend gebraucht für den Wiederaufbau und den wirtschaftlichen Aufschwung.

Wieso hat man nicht schon eher etwas gegen das Baumsterben unternommen?

Die Förster „bauen“ die reinen Nadelwälder bereits seit einigen Jahrzehnten um. Sie setzen dabei auf standortangepasste und vielfältige Laub- und Nadelbaumarten, die sich besser an die klimatischen Veränderungen anpassen können. Der Waldumbau und das Baumwachstum benötigen jedoch Zeit, sodass Entwicklungen erst nach einer gewissen Zeit zu sehen sind.

Warum wird das tote Holz nicht aus dem Wald geholt?

Nationalparke schützen natürliche Prozesse. Sie schaffen gerade durch das Zulassen von Zerfalls- und Zusammenbruchsphasen wertvolle Lebensräume, die sonst selten geworden sind. Deshalb bleibt das Holz im Bereich des Nationalparks Harz weitgehend im Wald. Sobald die Rinde abgefallen ist, befinden sich im Totholz keine Borkenkäfer mehr. Die Jungkäfer sind längst ausgeflogen und haben sich andere Wirtsbäume gesucht. Das Totholz stellt einen wichtigen Lebensraum für Pilze, Insekten, Vögel oder Fledermäuse dar.

Auch im Wirtschaftswald wird Totholz aus ökologischen Gründen belassen. Stehendes Totholz kann aber bei der Aufforstung und späteren Waldpflege Menschen gefährden. Aus Arbeitsschutzgründen muss es daher auf vielen Flächen geräumt werden.

Wann hört der Waldwandel auf?

Da die zukünftigen Entwicklungen unklar sind, gibt es zu dieser Frage keine pauschale Antwort.

Wie sieht der Wald in Zukunft aus?

Im Nationalpark wird nur in wenigen Bereichen in die Naturgeschehnisse eingegriffen. So wandelt sich der Wald hier wieder zu einem wilden Naturwald.

In den Wirtschaftswäldern wird der Wald aktiv durch den sogenannten Waldumbau verändert. Hierbei werden reine Nadelwälder in stabilere Mischwälder mit unterschiedlich alten Bäumen überführt. Dies geschieht durch Pflanzungen und natürliche Verjüngung wie Samenfall und Saat. Durch die Baumvielfalt im Wald soll die Anpassungsfähigkeit an das künftig herrschende Klima gefördert werden.

In den Hochlagen des Harzes ist die Fichte von Natur aus heimisch und wird deshalb auch in Zukunft die Hauptbaumart neben Ebereschen sein. In tieferen Lagen werden vor allem Laubbäume wie Buche, Bergahorn, Eberesche, Weide, Esche und Eiche wieder vermehrt wachsen.

Der Wald – Klimaopfer oder Klimaretter?

Einerseits sind die Wälder durch den Klimawandel bedroht, andererseits senken Sie jedoch auch den CO2- Gehalt der Luft. Bäume und Wälder entziehen der Atmosphäre beim Wachstum das klimaschädliche CO2. Im Holz der Bäume und im Boden speichern Wälder somit große Mengen CO2 und liefern damit einen positiven Beitrag zur Klimabilanz.

Kann man noch gefahrlos wandern?

Sowohl der Nationalpark Harz als auch die Landesforstbetriebe und private Waldbesitzer nehmen die Verkehrssicherungspflichten sehr ernst und arbeiten an der Pflege der Waldwegenetze, an den Belangen der Waldpflege, der Holzernte und den Bedürfnissen der Waldbesucher.

Trotzdem bitten wir Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit, die Verhaltensregeln des Waldknigges vor und während Ihres Waldbesuchs zu berücksichtigen sowie sich an mögliche Sperrungen und Umleitungen zu halten.

Woher kommen plötzlich so viele Borkenkäfer?

Borkenkäfer sind ein natürlicher Teil des Ökosystems Wald und schon immer im Wald vorhanden.

Sie besiedeln kränkelnde, absterbende oder umgebrochene Bäume und senden dann einen Duftstoff aus, der andere Borkenkäfer anlockt. Trockene Jahre begünstigen die Vermehrung, sodass sich die Borkenkäfer überdurchschnittlich stark in den geschwächten Fichten ausbreiten konnten.

Woran erkennt man einen Borkenkäferbefall?

Man erkennt den Borkenkäferbefall am Baum durch Bohrmehl, an abgeworfenen grünen Nadeln, verfärbten Baumkronen, abfallender Rinde oder Spuren von Spechten, die nach den Larven unter der Rinde suchen.

Wie verbreitet sich der Borkenkäfer und wann fliegen sie?

Ein Borkenkäferweibchen kann mit ihren Kindern und Enkeln in nur einem Jahr hunderttausende Nachkommen hervorbringen. Innerhalb eines trockenen und warmen Jahres können bis zu drei Generationen an Borkenkäfern heranwachsen.  Jedoch kommt die Abwehr eines Baumes bereits ab einem Befall von ca. 200 Käfern zum Erliegen.
Nach der Überwinterung fliegen die Käfer im Frühjahr ab 16 Grad Lufttemperaturen aus.

Wieso nennt man die Käfer auch Buchdrucker oder Kupferstecher?

Das Brutbild des großen Achtzähnigen Fichtenborkenkäfers ähnelt einem aufgeschlagenen Buch – der Käfer wird daher auch Buchdrucker genannt. Das Brutbild des kleineren Kupferstechers ist dagegen sternförmig und erinnert namensgebend an Kupferstiche.

Kann man auch anderweitig gegen den Borkenfäfer vorgehen?

Ab dem Frühjahr können mit Fallen und chemischen Lockstoffen die Käfer im Wirtschaftswald gefangen werden, um die Population von Beginn an einzudämmen. Bei einem massiven Befall, wie er aktuell im Harz zu beobachten ist, helfen solche Maßnahmen nur bedingt.

"Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst."

Sprichwort aus Tibet

Hintergründe, Partner und Spendenmöglichkeiten

Die Initiative "Der Wald ruft" wird durch zahlreiche Partner unterstützt, die wiederum selbst tolle Projekte zum Thema Waldschutz umsetzen.

Neben weiteren Hintergrundinformationen zur Waldsituation im Harz finden Sie hier auch Möglichkeiten, Bäume bzw. generell für Wiederaufforstungen zu spenden.

 

#NimmsWiederMit

Im Wald zurückgelassener Müll ist nicht nur unschön anzusehen, er hat auch Folgen für Natur, Tier und Mensch im Harz.
Verpackungsmaterialien und Plastikmüll verbleiben Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Waldboden. Papiertaschentücher brauchen bis zu fünf Jahre, bis sie zersetzt sind. Selbst organische Abfälle wie Obstschalen verrotten erst nach mehreren Monaten vollständig.
Um nichts anderes als Fußspuren im Wald zu hinterlassen, empfiehlt es sich, auf Wandertouren stets eine Mülltüte dabei zu haben, darin alle anfallenden Abfälle zu sammeln und diese anschließend zu Hause zu entsorgen.

Berichte zum Waldwandel

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