Baumartenwahl

Naturverjüngung - Was ist das?

Das Orkantief Friederike verursachte im Januar 2018 große Windwurfschäden in den durch Fichten dominierten Wäldern des Harzes. Die darauffolgenden, sehr trockenen Jahre führten dann zu einer starken Vermehrung des Borkenkäfers, welcher die Fichtenwälder des Harzes schädigte. Um auf den riesigen Freiflächen wieder Wald zu etablieren, wird neben künstlichen Verfahren wie Saat und Pflanzung auch auf Naturverjüngung gesetzt. Es stellt sich also die Frage, wo sich die Flächen durch das Weitertragen von Samen durch Wind und Tiere selbst regenerieren können.

Warum sind Modellberechnungen zur Naturverjüngung wichtig?

Um besser abschätzen zu können, auf welchen Flächen sich welche Baumarten von Natur aus wieder ansiedeln, werden im Rahmen des Teilprojekts Verjüngungsetablierungsmodelle für verschiedene Baumarten entwickelt. Diese Modelle basieren auf ca. 100.000 Beobachtungspunkten, die in den letzten Jahren in ganz Niedersachsen erfasst wurden und bilden ab, wie Umweltfaktoren wie z.B. die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit auf die Etablierung verschiedener Baumarten wirken. 

Zusammenarbeit der Niedersächsischen Landesforsten und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt 

Die Entscheidungen, welche Baumarten wo gepflanzt werden, basieren auf umfangreichen Untersuchungen der Böden durch die Standortskartierung sowie auf Modellierungen von Klimaszenarien der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA). Im Zuge des Wiederbewaldungsprogramms Harz sollen über 100 Mio. Euro investiert werden und die Schadflächen mit geeigneten Baumarten, wie zum Beispiel Buchen, Eichen, Bergahorn und Spitzahorn, aber auch Nadelbaumarten wie Lärchen, Douglasien, Kiefern und bei guter Wasserversorgung auch Fichten, aufgeforstet werden.

Damit die Wissenschaftler ihre Experimente und Modellierungen mit den realen Bedingungen im Wald bzw. auf den Schadflächen abgleichen können und um die Wirksamkeit ihrer Lösungen und Konzepte zu prüfen, stellen die Niedersächsischen Landesforsten geeignete Flächen zur Verfügung. Auf diesen Demoflächen können außerdem die Ergebnisse des Forschungsprojektes vorgestellt und Weiterbildungen organisiert werden. So unterstützen die Niedersächsischen Landesforsten (NFL) auf der einen Seite das Projekt mit ihren Flächen und den Erfahrungen aus den letzten Jahren, auf der anderen Seite profitieren die NLF wiederum von den Erkenntnissen des Verbundprojektes.

 

Baumarten und ihre Bedürfnisse

Es zeigt sich, dass sich die Fichte auf eher schwach nährstoffversorgten Standorten verjüngt, wohingegen die Buche von einer besseren Nährstoffversorgung profitiert. Während die Birke ihre leichten Samen relativ weit verbreiten kann, siedelt sich die Buche durch ihre schweren Samen vor allem im Nahbereich des Mutterbaums an. Diese und weitere Erkenntnisse sollen nicht nur dabei helfen, die Wiederbewaldung auf den aktuell bestehenden Freiflächen zu planen, sondern auch die Widerstandsfähigkeit zukünftiger Waldgenerationen zu erhöhen, indem auf großer Fläche möglichst viele Baumarten vorhanden sind, die eine vielfältige natürliche Verjüngung sicherstellen können.

Auf Basis dieser Modelle sowie weiteren Aspekten soll für die Gesamtfläche des Harzes eine Karte mit potenziell geeigneten Baumarten erstellt und anschließend die Entwicklung verschiedener Szenarien zukünftiger Waldentwicklung im Harz dargestellt werden. Die dann neu aufgeforsteten Flächen müssen in den kommenden Jahren intensiv gepflegt und kontrolliert werden, damit sich die jungen Bäume erfolgreich entwickeln und so langfristig naturnahe, vielfältige Bergmischwälder entstehen, die sich selbst regenerieren können.

Ansprechpartner für das Teilprojekt:

Jannik Kauth
Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt
Abteilung Waldwachstum | Sachgebiet Waldverjüngung
Grätzelstraße 2
37079 Göttingen
Tel.: +49 551/ 69401 176
E-Mail: jannik.kauth@nw-fva.de

Zum Teilprojekt ist auch eine kurze Audio-Sequenz entstanden, welche hier gehört werden kann.

Ansprechpartnerin für die in das Teilprojekt involvierten Waldflächen im Harz ist:

Susann Thätner
Abteilung Wald und Umwelt
Sachgebietsleitung Waldbau, Waldschutz, Zertifizierung und Jagd
Bienroder Weg 3
38106 Braunschweig
Tel: +49 531 / 1298 210
E-Mail: susann.thaetner@nlf.niedersachsen.de