Modellhafte
betriebliche Analyse

Was bedeutet die Wiederbewaldung im Harz aus ökonomischer Sicht?

Durch die vergangenen Schadereignisse hat sich der Harz stark verändert. Die großen entstandenen Kahlflächen stellen auch die Waldbesitzenden vor große Herausforderungen. Sie stehen nun vor der Aufgabe, diese Flächen wieder zu bewalden, was die Möglichkeit bietet, resiliente Wälder zu begründen. Dennoch bringt das große Ausmaß an Schadflächen erhebliche Herausforderungen mit sich. So kann es zu Finanzierungsproblemen bei der Wiederbewaldung aber auch zu Engpässen in dem zur Verfügung stehenden Pflanzen und Saatgut sowie Arbeitskräften kommen. Zukünftig ist außerdem davon auszugehen, dass die Waldbesitzenden durch die Pflege der Waldbestände, weiterhin mit hohen Kosten zu rechnen haben.

Welche Faktoren und damit verbundene Kosten werden betrachtet?

Hierzu werden verschiedene Szenarien mit Hilfe eines bioökonomischen Modells simuliert. Dabei werden Ausfall- und Marktrisiken berücksichtigt. Es werden sowohl kurzfristige Konsequenzen, wie die Kosten für die Wiederbewaldung, mittelfristige wie auch langfristige Konsequenzen, wie zu erwartende Holzerträge, untersucht.

Eine mögliche Alternative, um Kosten für die Wiederbewaldung zu verringern, ist die Übernahme von aufkommender Naturverjüngung. Da der Harz bisher von Fichte dominiert war, ist viel Fichtennaturverjüngung vorzufinden. Neben dieser kommt auf den Flächen aber auch Naturverjüngung aus Pionierbaumarten auf. Dies sind Baumarten, die große Schadflächen natürlich, also ohne menschliches Zutun, als erstes wiederbesiedeln. Hierzu gehören beispielsweise Birke, Eberesche oder Pappel. Mit diesen können aufgrund des hohen Jugendzuwachses bereits frühzeitig Erlöse generiert werden. Holzqualität und Absatzmärkte führen jedoch häufig zu geringeren Holzpreisen. Allerdings fehlt es hierzu noch großflächig in Deutschland an Erfahrung. Daher werden im Teilprojekt insbesondere Wiederbewaldungsszenarien mit Pionierbaumarten und deren ökonomische Konsequenzen untersucht. Da der Wald aber auch zum Einkommen der Waldbesitzenden beiträgt und der Holzbedarf der Bevölkerung gedeckt werden muss, werden auch Wiederbewaldungsszenarien mit hochproduktiven Baumarten, wie z.B. Douglasie, untersucht.

Pflanzung eines Setzlings
Schlosshotel Blankenburg | CC-BY-SA

Wie können die Simulationen in der Praxis Anwendung finden?

Im weiteren Verlauf werden nicht nur einzelne Bestände, sondern auch die gesamtbetriebliche Situation untersucht. Hierzu wird zunächst unter ökonomischen Zielsetzungen, die Zusammensetzung der verschiedenen Wiederbewaldungsszenarien für einen Modellbetrieb optimiert. Durch das Berücksichtigen von Einschränkungen wie z.B. Problemen in der Finanzierung der Wiederbewaldung werden Hebelwirkungen auf die Vorteilhaftigkeit der Wiederbewaldungsszenarien sowie Synergien und Zielkonflikte abgeleitet. Da der Wald neben der Holzproduktion auch weitere Ökosystemleistungen wie z.B. Kohlenstoffbindung, Biodiversität oder Trinkwassergewinnung bereitstellt, werden diese zusätzlich in das Modell integriert.

Auf Grundlage des beschriebenen Modells wird ein interaktives Tool programmiert, das der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Hierdurch hat diese die Möglichkeit, zu beobachten, wie verschiedene Zielsetzungen die optimale Zusammensetzung der Wiederbewaldungsszenarien beeinflussen.

Ansprechpartnerin für das Teilprojekt:

Leona Ottens
Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung
Georg-August-Universität Göttingen
Büsgenweg 3
37077 Göttingen
Tel: +49 551/ 39 26765
E-Mail: leona.ottens@uni-goettingen.de

Projektverantwortliche ist zudem Prof. Dr. Carola Paul.

Zum Teilprojekt ist auch eine kurze Audio-Sequenz entstanden, welche hier gehört werden kann.

REGULUS-Statuskonferenz im März 2026