Wildtiermanagement

Die Waldschäden der vergangenen Jahre haben das Landschaftsbild im Harz stark verändert. Mit dem Wandel des Waldes verändert sich gleichzeitig auch der Lebensraum vieler Wildtiere. Früher fanden Rehe und Rothirsche in den dichten Fichtenreinbeständen nur wenig Nahrung, da am Waldboden kaum Pflanzen wuchsen. Auf den heutigen Kalamitätsflächen hat sich die Situation deutlich verändert: Dort entstehen große Offenflächen mit vielen jungen Pflanzen, die den Wildtieren reichlich Nahrung bieten. Gleichzeitig entwickeln sich neue Lebensräume mit geschützten Rückzugsorten, die von den Tieren zunehmend genutzt werden. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Teilprojekt 2 mit dem Wildtiermanagement. 

Warum müssen Wildtiere überhaupt gemanagt werden?

Dabei geht es vor allem um mögliche Konflikte zwischen den Interessen des Menschen und den Bedürfnissen der Wildtiere. Um diese Entwicklungen objektiv bewerten zu können, soll ein flächendeckendes Monitoring aufgebaut werden. Ziel ist es, Veränderungen im Wald und bei den Wildtierpopulationen frühzeitig zu erkennen und geeignete Managementmaßnahmen abzuleiten. So sollen Konflikte möglichst gering gehalten und gleichzeitig gute Lebensbedingungen für die Tiere erhalten werden.

Zentrale Bereiche: Wildbestand, Wildzustand und Wildwirkung

Der Wildbestand beschreibt die Anzahl der Tiere in einem Gebiet. Diese kann durch jagdliche Maßnahmen beeinflusst werden. Gleichzeitig wirkt sich Jagd auch auf das Verhalten der Tiere aus: Durch gezielte Bejagung lässt sich steuern, welche Bereiche Wildtiere bevorzugt nutzen oder meiden. Ziel des Managements ist daher nicht immer nur die Beeinflussung der Tierzahlen, sondern auch eine sinnvolle räumliche Verteilung der Tiere. Zur Erfassung von Wildbeständen werden häufig Telemetrie oder Wildkameras eingesetzt. Allerdings eignen sich diese recht aufwendigen Methoden nicht für ein großflächiges und langfristiges Monitoring. Zukünftig sollen daher verstärkt Daten aus der Jagd genutzt werden, um die Anzahl und Verteilung von Wildtieren objektiv zu erfassen.

Neben dem Wildbestand geben erlegte Tiere auch Hinweise auf den Wildzustand der Population. Das Körpergewicht zeigt z.B., ob die Tiere ausreichend Nahrung finden und in guter Verfassung sind. Zusätzlich werden Merkmale wie Hinterfuß- oder Unterkieferlänge erfasst. Diese Werte sind weniger von der aktuellen Ernährung abhängig und ermöglichen langfristige Rückschlüsse auf die Entwicklung der Population. Die Kombination dieser Daten liefert ein möglichst genaues Bild des Wildzustandes.

 

Für die Wiederbewaldung besonders wichtig ist die Wildwirkung. Sie zeigt, wie stark Wildtiere junge Pflanzen und neue Waldflächen beeinflussen. Diese Informationen helfen einzuschätzen, ob sich langfristig stabile Wälder entwickeln können. Gleichzeitig geben sie Hinweise darauf, wo Tiere bevorzugt Nahrung aufnehmen und wie sie sich im Gebiet verteilen. Während Wildverbiss auf neu bepflanzten Flächen große wirtschaftliche Schäden verursachen kann, ist der Einfluss des Wildes an anderen Orten weniger problematisch. Die gewonnenen Daten helfen deshalb auch dabei, Wildtiere gezielt zu lenken und Konflikte zu reduzieren. Zu einem modernen Wildtiermanagement gehören neben der Jagd auch Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums. Dazu zählen beispielsweise Wildwiesen, Ruhezonen oder die gezielte Besucherlenkung im Tourismus. So können die Bedürfnisse von Menschen, Wald und Wildtieren möglichst gut miteinander in Einklang gebracht werden.

Ansprechpartner für das Teilprojekt:

Dr. forest. Maximilian Hohm
Abt. Wildtierwissenschaften
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften
Büsgenweg 3
37077 Göttingen

Teilprojektverantwortlicher ist zudem Prof. Dr. Niko Balkenhol

Zum Teilprojekt ist auch eine kurze Audio-Sequenz entstanden, welche hier gehört werden kann.