Lisa Eckhart 2027 - „Die Vorteile des Lasters“
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Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles,
was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle
zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein
noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der
Testamentsverlesung hieß es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr
schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So
fand der Spaß ein jähes Ende.
Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in
den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu
genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht.
All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter
liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben's schlecht
gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt
das Mittelmaß.
Darum gilt es, die Sünden neu zu erfinden.
Wie widersetzt man sich der Spaßgesellschaft ohne den eigenen Spaß einzubüßen?
Wie empört man seine Umwelt ohne als Künstler verleumdet zu werden?
Wie verweigert man sich dem Konsumerismus ohne auf irgendetwas zu verzichten?
Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen?
Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt?
Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau.
Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat.
Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog.
Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers.
Seien Sie eitel und entreißen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters.
Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders.
Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit.
was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle
zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein
noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der
Testamentsverlesung hieß es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr
schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So
fand der Spaß ein jähes Ende.
Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in
den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu
genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht.
All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter
liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben's schlecht
gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt
das Mittelmaß.
Darum gilt es, die Sünden neu zu erfinden.
Wie widersetzt man sich der Spaßgesellschaft ohne den eigenen Spaß einzubüßen?
Wie empört man seine Umwelt ohne als Künstler verleumdet zu werden?
Wie verweigert man sich dem Konsumerismus ohne auf irgendetwas zu verzichten?
Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen?
Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt?
Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau.
Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat.
Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog.
Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers.
Seien Sie eitel und entreißen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters.
Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders.
Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit.
Terminübersicht
Gut zu wissen
Allgemeine Informationen
Anmeldung erforderlich
Open Air
Touristische Veranstaltung
Eignung
Zielgruppe Jugendliche
Zielgruppe Erwachsene
Zielgruppe Familien
für Gruppen
für Familien
für Individualgäste
Sprachkenntnisse
Deutsch
Zahlungsmöglichkeiten
Barzahlung vor Ort, Rechnung, SEPA / Lastschrift, Überweisung, Visa
Anreise & Parken
Das Harzer Bergtheater befindet sich auf dem Hexentanzplatz 6 in 06502 Thale.
Preisinformationen
Kartenvorverkauf
Karten an der Abendkasse
kostenpflichtig
Ansprechpartner:in
Bodetal - Touristinformation THALE
Bahnhofstraße 1
06502 Thale
In der Nähe


