© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Romkerhaller Wasserfall

1900

Das Motiv

24. Romkerhall Ansichtskarte
© Schloß Wernigerode GmbH

Das Okertal hat zwei Gasthaus-Pole, zwischen welchen sich, anderthalb Stunden Fußweg lang, eine Sächsische Schweiz aus Granit erstreckt. Der Oker-Nordpol ist das Waldgasthaus, sein Südpol aber ist Romkerhall.

Unser Standort ist das obere Ende des Romkerhaller Wasserfalls, der sich hier als längster Wasserfall des Harzes 64 m in die Tiefe stürzt. Der Wasserfall wurde 1863 vom Gastwirt Lüer angelegt. Dafür wird oben von der Kleinen Romke Wasser abgezweigt und durch einen Graben, an welchem es sich gut entlangwandern lässt, bis auf die Romkerklippe geleitet. Der Gastwirt hatte im selben Jahr 1863 sein Gasthaus vollendet und erwartete viele Gäste. Warum auch nicht: Die Chaussee im Okertal war ein paar Jahre zuvor unter vielen Mühen und indem man viele Felsen wegsprengte, ausgebaut worden, man konnte jetzt mit dem Fuhrwerk anreisen. Die Harzburger hatten es 1859 vorgemacht mit ihrem Radau-Fall, der an strategisch günstiger Stelle an der Straße errichtet, ein Gasthaus daneben, zum beliebten Ausflugsziel der Kurgäste geworden war. Solch touristischen Zulauf erreichte man auch im Okertal, an Fallhöhe des Wassers konnte man die Harzburger dabei um ein Vielfaches übertreffen. Der Romkerhaller Wirt ließ in den 1930er Jahren gar ein Faltblatt drucken, das den Wasserfall als „das Wahrzeichen des Okertals“ pries.

Da nun auf A immer B folgt, ist das Okertal auch für den Autoverkehr zur Durchfahrtsstraße entwickelt worden. Es findet sich hier ein großer Parkplatz, der an Sommerwochenenden regelmäßig überfüllt ist.

  • Ansichtskarte vom Romkerhaller Wasserfall mit Romkerhalle

  • um 1900

  • Druck von Hans Wasserkampf & Co Hannover, 14,2 x 9 cm

  • aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH

Wandertipp

Links neben dem Wasserfall führt ein steiler Pfad in Serpentinen auf die Romkerklippe, die zu einer Plattform begradigt und mit einem Geländer gesichert ist. Hier steht man am oberen Ende des Wasserfalls. Angenehmer läuft es sich auf dem breiten Weg entlang der Kleinen Romke, auch wenn dieser erheblich länger ist. Ein Netz von Rundwanderwegen führt zu einzelnen Klippen wie dem Treppenstein, der Mausefalle oder dem Alten vom Berge.

von unbekannten Malern

Maler haben den Fotografen von einst voraus, dass sie uns Standorte vorführen können, die es gar nicht gibt. Es ist ohne Lebensgefahr nicht möglich, den Felsen mit dem Wasserfall und das Gasthaus Romkerhall auf ein Bild zu bringen – es sei denn, man schwebt vor der Felswand und schiebt die Perspektive zurecht. Doch wer denkt schon darüber nach. Unsere Augen nehmen es als gegeben, weil wir mit Malern gelernt haben zu sehen. Der fotografische Vergleich enttäuscht mitunter, wohl auch deshalb wurden bis zum Ersten Weltkrieg die Ansichtskarten meist gemalt. Wir wollen staunen!

Unsere Augen wandern hinauf zu dem steilen, gefährlichen Punkt oben und finden am Wasserfall hinabgleitend Erlösung unten im Gasthaus. Hier unten konnte auch der preiswerte Farbdruck der Ansichtskarte gekauft werden, die das handkolorierte große und teure Ansichtenblatt früherer Zeiten ablöste. Auftraggeber war natürlich der clevere Romkerhall-Gastwirt. Die beiden Ansichtskarten enthalten jeweils den Namen der Druckereien in Hannover. Die der Maler als doppelt freie Lohnarbeiter aber sind verschwunden.

Zum Vergleich

24.2 Romkerhall Ansichtskarte
© Schloß Wernigerode GmbH

Ansichtskarte vom Romkerhaller Wasserfall mit Romkerhalle, gelaufen 1900, Druck von A. Harber und Bräger Hannover, 14,2 x 9 cm, aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH

24.3 Romkerhall, Ripe
© Sammlung Bode, Hamburg

Albert Schule nach Wilhelm Ripe, Romkerhall und Romkerhaller Wasserfall, 1864, kolorierter Stahlstich, Bildgröße 6,3 x 9,1 cm, aus: Brückner’s Harz-Album (1864), Sammlung Bode, Hamburg

Hier ist gut zu erkennen, dass das 1863 errichtete Gasthaus Romkerhall zunächst aus zwei Giebelbauten bestand, die miteinander verbunden wurden. Das Gasthaus ist also bald darauf auf drei Giebelbauten vergrößert worden, die es noch heute hat. Wilhelm Ripe hat seinen Standort an der 1861 errichteten Okerbrücke eingenommen, über dem Gasthaus erhebt sich die Rabenklippe.

 

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