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Initiative "Der Wald ruft"

  • Initiative "Der Wald ruft"
  • Waldwandel (c) Nationalpark Harz Foto: Sebastian Berbalk
  • Baumstumpf (c) Niedersächsische Landesforsten Foto: Thomas Gasparini
  • Holzpolter (c) Niedersächsische Landesforsten

 

Der Wald ruft! Manch einer im Harz möchte sagen: der Wald schreit auf.
Jahrzehntelange Einwirkungen auf das Klima werden erst jetzt schmerzlich sichtbar. In einigen Teilen, wo einst herrliches Grün für schattige Wege sorgte, ragen kahle, silbergraue Stämme in den Himmel. Wegschauen geht nicht mehr. Hinschauen ist angesagt. Und Handeln. Dafür sind Mitarbeiter der Forst, des Nationalparks, beauftragte Firmen und Helfer rund um die Uhr im Einsatz.

Wir zeigen Ihnen, was momentan im Wald passiert, vor welchen Herausforderungen die Akteure im Harz stehen und wie sich Ihr Urlaubsziel hier und da verändert. So sind Sie aus erster Hand informiert, kennen die Fakten, können mitreden und vor allem auch Verantwortung für unsere Natur und unsere Lebensräume übernehmen.

Weitersagen hilft! Unterstützen Sie unsere Initiative und verbreiten Sie mit unserer Hilfe Wissen statt Panik.

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Waldknigge

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Bitte beachten Sie bei Ihrem Waldbesuch die waldtypischen Gefahren.

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SKurz informiert - die meistgestellten Fragen rund um das Thema Wald im Wandel
Warum sind besonders die Wälder vom Klimawandel betroffen?+

Unsere Wälder müssen sich den akuten und schnellen Klimaveränderungen gegenüber anpassen. Für eine solche Anpassung benötigen komplexe Ökosysteme wie der Wald allerdings viele Wald-Generationen, die 100 bis 200 Jahre oder länger dauern können. Mit ihren langen Generationswechseln stehen Waldökosysteme somit ganz besonders unter Druck.

Warum ist gerade die Fichte besonders vom Klimawandel & vom Borkenkäfer betroffen?+

Fichten sind Flachwurzler und somit sturmgefährdet. Zudem benötigen Fichten viel Wasser zum Wachsen. Gleichzeitig wird das Wasser auch für die Harzproduktion benötigt, um beispielsweise den Borkenkäfer abzuwehren. Nach dem Orkan Frederike und den trockenen Sommern im Jahr 2018 und 2019 wurden die geschwächten Fichten somit anfälliger für einen Borkenkäferbefall.

Problematisch sind hier insbesondere die Niederschlagsdefizite in der Vegetationszeit. Zudem wachsen heute noch viele Fichtenwälder außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Die zu warmen Lagen oder schlecht durchwurzelten Böden begünstigen die Anfälligkeit dieser Fichtenwälder.

Woher kommen plötzlich so viele Borkenkäfer? +

Borkenkäfer sind ein natürlicher Teil des Ökosystems Wald und schon immer im Wald vorhanden.

Sie besiedeln kränkelnde, absterbende oder umgebrochene Bäume und senden dann einen Duftstoff aus, der andere Borkenkäfer anlockt. Trockene Jahre begünstigen die Vermehrung, sodass sich die Borkenkäfer überdurchschnittlich stark in den geschwächten Fichten ausbreiten konnten.

Warum gibt es im Harz so viele Fichtenwälder?+

Viele der reinen Fichtenwälder wurden direkt nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzt. Sie waren damals die einzigen schnell wachsenden Baumarten, die als Saatgut in großen Mengen zur Verfügung standen und aus denen Pflanzen für die Wiederaufforstung gezogen werden konnten. Auch war der Anbau anspruchsvollerer Baumarten auf den großen Freiflächen mit ihren extremen klimatischen Bedingungen nicht möglich. Das Holz der Fichten wurde dringend gebraucht für den Wiederaufbau und den wirtschaftlichen Aufschwung.

 

 

Wieso hat man nicht schon eher etwas gegen das Baumsterben unternommen?+

Die Förster „bauen“ die reinen Nadelwälder bereits seit einigen Jahrzehnten um. Sie setzen dabei auf standortangepasste und vielfältige Laub- und Nadelbaumarten, die sich besser an die klimatischen Veränderungen anpassen können. Der Waldumbau und das Baumwachstum benötigen jedoch Zeit, sodass Entwicklungen erst nach einer gewissen Zeit zu sehen sind.

Warum wird das tote Holz nicht aus dem Wald geholt?+

Nationalparke schützen natürliche Prozesse. Sie schaffen gerade durch das Zulassen von Zerfalls- und Zusammenbruchsphasen wertvolle Lebensräume, die sonst selten geworden sind. Deshalb bleibt das Holz im Bereich des Nationalparks Harz weitgehend im Wald. Das Totholz stellt einen wichtigen Lebensraum für Pilze, Insekten, Vögel oder Fledermäuse dar.

Auch im Wirtschaftswald wird Totholz aus ökologischen Gründen belassen. Stehendes Totholz kann aber bei der Aufforstung und späteren Waldpflege Menschen gefährden. Aus Arbeitsschutzgründen muss es daher auf vielen Flächen geräumt werden.


Wann hört der Waldwandel auf?+

Da die zukünftigen Entwicklungen unklar sind, gibt es zu dieser Frage keine pauschale Antwort.

Wie sieht der Wald in Zukunft aus?+

Im Nationalpark wird nur in wenigen Bereichen in die Naturgeschehnisse eingegriffen. So wandelt sich der Wald hier wieder zu einem wilden Naturwald.

In den Wirtschaftswäldern wird der Wald aktiv durch den sogenannten Waldumbau verändert. Hierbei werden reine Nadelwälder in stabilere Mischwälder mit unterschiedlich alten Bäumen überführt. Dies geschieht durch Pflanzungen und natürliche Verjüngung wie Samenfall und Saat. Durch die Baumvielfalt im Wald soll die Anpassungsfähigkeit an das künftig herrschende Klima gefördert werden.

In den Hochlagen des Harzes ist die Fichte von Natur aus heimisch und wird deshalb auch in Zukunft die Hauptbaumart neben Ebereschen sein. In tieferen Lagen werden vor allem Laubbäume wie Buche, Bergahorn, Eberesche, Weide, Esche und Eiche wieder vermehrt wachsen.

Der Wald – Klimaopfer oder Klimaretter?+

Einerseits sind die Wälder durch den Klimawandel bedroht, andererseits senken Sie jedoch auch den CO2- Gehalt der Luft. Bäume und Wälder entziehen der Atmosphäre beim Wachstum das klimaschädliche CO2. Im Holz der Bäume und im Boden speichern Wälder somit große Mengen CO2 und liefern damit einen positiven Beitrag zur Klimabilanz.

Kann man noch gefahrlos wandern?+

Sowohl der Nationalpark Harz als auch die Landesforstbetriebe und private Waldbesitzer nehmen die Verkehrssicherungspflichten sehr ernst und arbeiten stets an der Pflege der Waldwegenetze, an den Belangen der Waldpflege, der Holzernte und den Bedürfnissen der Waldbesucher.

Trotzdem bitten wir Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit, die Verhaltensregeln des Waldknigges vor und während Ihres Waldbesuchs zu berücksichtigen sowie sich an mögliche Sperrungen und Umleitungen zu halten.

Informationen und Hintergründe zur aktuellen Waldsituation

  • Kulturfrauen (c) Niedersächsische Landesforsten & Fa. movit
  • Kahlfläche (c) Niedersächsische Landesforsten
  • Engländerhiebe (c) Niedersächsische Landesforsten
  • Kulturfrau auf 50-Pfennig-Münze

Das Landschaftsbild verändert sich

Schon von Weitem ist die Veränderung der Landschaft sichtbar. In einigen Teilen, vor allem rund um das Brockenmassiv und in den Hochlagen des Harzes, sterben Fichten großflächig ab. Kahlflächen entstehen, tote Bäume säumen den Wegesrand und sorgen teilweise für eine bedrückende Stimmung. Doch wer genau hinschaut, entdeckt darunter bereits frisches Grün…

Das Landschaftsbild des Harzes, das über Jahrhunderte durch reine Fichtenwälder geprägt war, befindet sich im Wandel. Die Fichte wurde ursprünglich als schnellwachsendes Holz für den Bergbau angepflanzt. In der Nachkriegszeit wurde weiteres Holz für den Wiederaufbau, zum Heizen und auch für einen Teil der Reparationszahlungen benötigt. In Folge der starken Übernutzung der Wälder seit den 1930er Jahren bis etwa 1950 entstanden allein in Niedersachsen ca. 140.000 ha Kahlflächen im Wald. Um diese wieder aufzuforsten, bedurfte es großer Anstrengungen der Forstleute und der sogenannten „Kulturfrauen“. In Zeiten, in denen es am Nötigsten mangelte, forsteten diese in harter Arbeit und zu einem geringen Lohn die Wälder wieder auf.
Dazu stand im Harz nur Fichtensaatgut in ausreichender Menge zur Verfügung. So wurde die Fichte zum „Brotbaum“ der Region und deshalb auch in Lagen angepflanzt, in denen sie eigentlich nicht heimisch ist. Von Natur aus würden hier Laubbäume wachsen – Buchen, gemischt mit Ahorn, Birken, Eschen und andere Baumarten.

Die schwere Arbeit der „Kulturfrauen“ wurde mit einer speziellen Prägung des damaligen westdeutschen 50-Pfennig-Stücks wertgeschätzt. Es zeigte eine knieende Frau, die eine Eiche pflanzt.

Brutbild Borkenkäfer (c) Niedersächsische Landesforsten

Ursachen für das Waldsterben

Witterungsextreme wie Sturm und Dürre haben in den vergangenen Jahren den Bäumen stark zugesetzt. Sie sind geschwächt und so fehlt die natürliche Widerstandsfähigkeit. Auslöser für das Fichtensterben sind die Borkenkäfer, die sich durch die Leitungsbahnen der Fichten fressen.
Gesunde Fichten wehren sie mit Baumharz ab - ein natürlicher Mechanismus, der aufgrund der langanhaltenden Trockenheit und Hitze der vergangenen Sommer nicht mehr funktioniert.

Schon eine geringe Anzahl an Borkenkäfern lässt die Fichten absterben. Bei guten Bedingungen vermehren sie sich massenhaft. Ein Weibchen kann in nur einem Jahr hunderttausende Nachkommen hervorbringen.

Vom Baumsterben sind jedoch nicht nur Fichten betroffen. Auch Laubbäume, wie Buchen oder Eschen, sind aufgrund des Klimastresses anfällig für Krankheiten und Parasiten.

Waldwandel (c) Nationalpark Harz Foto: Sebastian Berbalk

Der Schuldfrage auf der Spur

In Anbetracht der akuten und schnellen Veränderungen im Wald entstehen insbesondere in den Sozialen Medien wilde Diskussionen um die Schuldfrage.
Fakt ist: Eine Mitverantwortung tragen wir alle. Auch wenn kontrovers diskutiert wird, wie stark der Einfluss des Menschen auf das Klima ist. Die Häufung der Klimarekorde der vergangenen Jahre ist ein deutliches Indiz dafür. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt zu und überfordert die Anpassungsfähigkeit vieler Baumarten.

Auch Schuldzuweisungen in Richtung Nationalpark Harz, wo in die Naturgeschehnisse nur in wenigen Bereichen eingegriffen wird, sind abwegig. Wichtiger ist, gemeinsam Lösungen zu schaffen.

  • Harz-Übersicht

Harz-Übersicht

Im Harz gibt es verschiedene Schutzgebiete und Waldzonen.
Im Zentrum liegt der Nationalpark Harz rund um das Brockenmassiv. Die Naturparke „Harz“ und „Südharz“ sowie das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz schließen sich an. Während im Ober- und Hochharz Fichtenwälder vorherrschen, sind in tieferen Lagen Buchen-, Laub- und Mischwälder zu finden.

Längst nicht alle Bereiche sind vom massiven Baumsterben betroffen. Daher gilt es, den Waldwandel im Harz durchaus differenziert zu betrachten.

Vorgehensweisen & Maßnahmen

Mit der aktuellen Situation wird in den verschiedenen Bereichen des Harzes unterschiedlich verfahren.
In einigen Gebieten wird die Natur sich größtenteils selbst überlassen, in anderen wird den Interessen der nachhaltigen Forstwirtschaft Rechnung getragen. 

Forstmaschine (c) Niedersächsische Landesforsten Foto: Thomas Gasparini

Vorgehen im Wirtschaftswald

Die Forstwirtschaft folgt bereits seit Jahrzehnten dem Grundgedanken für eine nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft auf ökologischer Grundlage. Im Rahmen des niedersächsischen LÖWE-Programms (Langfristige Ökologische WaldEntwicklung) wird seit 1991 der Waldwandel vorangetrieben, das heißt der Umbau der Monokulturen zu klimastabilen Mischwäldern. So wuchs beispielsweise in den letzten 25 Jahren der Anteil der Mischbestände mit Laubbaumbeteiligung in Niedersachsen von 31 % auf 58 %.

Doch die extremen Situationen mit Starkregen, Stürmen und Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 stellen die Forstleute zusätzlich vor große Herausforderungen. In den Wirtschaftswäldern werden so gut wie rund um die Uhr vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt und abtransportiert. Es entstehen Schneisen zwischen befallenen und gesunden Gebieten. Anschließend wird umfangreich aufgeforstet. So konnten auch in der schwierigen Situation 2018/2019 Millionen Setzlinge im Harz neu gepflanzt werden.
Die Landeswälder sollen mit einer standortgemäßen Baumartenvielfalt stabiler, ertragreicher, ästhetischer und naturnäher werden.
 

  • Zusammenstellungen Clausthaler-Flutgraben (c) Nationalpark Harz Foto: Meike Hullen & Ingrid Nörenberg

Waldwandel im Nationalpark Harz

Das weltweite Nationalpark-Motto lautet „Natur Natur sein lassen“ und so darf sich die Natur im Nationalpark Harz größtenteils frei entfalten. Der ehemalige Wirtschaftswald wandelt sich zu einem wilden Naturwald. Eine hohe Strukturvielfalt durch unterschiedlich alte und große Bäume sowie große Mengen an Totholz in ungleichen Zersetzungsstadien prägen den Urwaldcharakter mitten im Nationalpark Harz. Dass aktuell in einigen Bereichen dieser Wandel rasant vorangeht, wirkt auf den Betrachter oft befremdlich. Doch die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen. Was tot und abgestorben wirkt, ist dynamischer und lebendiger als zuvor. Fichten verschwinden nach und nach, wo sie nicht heimisch sind. Totholz, in dem Borkenkäfer nicht mehr leben, verbleibt als wichtiger Lebensraum im Wald.

Die Baumstämme und die in ihnen gespeicherten Stoffe werden zum Fundament für eine neue Waldgeneration. Ebenso nimmt die Zahl der Tier- und Pflanzenarten deutlich zu. Auch seltene und bedrohte Arten finden hier wieder Lebensräume und kehren zurück.

Nichtsdestotrotz wird auch auf Teilflächen des Nationalparks Harz aktiv eingegriffen, z.B. zur Sicherung von Wegen und Straßen sowie zum Schutz angrenzender Wirtschaftswälder. Darüber hinaus unterstützt der Nationalpark in einigen Bereichen die Rückkehr der ursprünglich heimischen Laubbäume durch Pflanzungen. Der so entstehende wilde Naturwald wird anders aussehen als die umliegenden Wirtschaftswälder. Allein von 2008 bis 2018 wurden rund 4,3 Mio. Rotbuchen und weitere heimische Arten in den Nationalparkwäldern gepflanzt.
 

Waldwandel live erleben

Erfahren Sie mehr über den Waldwandel, über die historischen Zusammenhänge und die aktuellen Veränderungen. Die Naturschutzgebiete, der Nationalpark Harz, die jeweiligen Forstbetriebe der Bundesländer im Harz sowie weitere Initiatoren vermitteln in Ausstellungen und Führungen detailliertes Wissen.
Entdecken Sie den Harz im Wandel!

Wald im Wandel – Borkenkäfer-Fakten:

  • Man erkennt den Borkenkäferbefall am Baum durch Bohrmehl, an abgeworfenen grünen Nadeln, verfärbten Baumkronen, abfallender Rinde oder Spuren von Spechten, die nach den Larven unter der Rinde suchen
  • Ein Borkenkäferweibchen kann mit ihren Kindern und Enkeln in nur einem Jahr hunderttausende Nachkommen hervorbringen
  • Innerhalb eines trockenen und warmen Jahres können bis zu drei Generationen an Borkenkäfern heranwachsen
  • Ab einem Befall von ca. 200 Käfern kommt die Abwehr eines Baumes zum Erliegen
  • Das Brutbild des großen Achtzähnigen Fichtenborkenkäfers ähnelt einem aufgeschlagenen Buch – der Käfer wird daher auch Buchdrucker genannt
  • Das Brutbild des kleineren Kupferstechers ist dagegen sternförmig und erinnert namensgebend an Kupferstiche
  • Nach der Überwinterung fliegen die Käfer im Frühjahr ab 16 Grad Lufttemperaturen aus
  • Ab dem Frühjahr können mit Fallen und chemischen Lockstoffen die Käfer im Wirtschaftswald gefangen werden, um die Population von Beginn an klein zu halten
  • Sobald die Rinde abgefallen ist, befinden sich im Totholz keine Borkenkäfer mehr. Die Jungkäfer sind längst ausgeflogen und haben sich andere Wirtsbäume gesucht. Verbliebenes Totholz bietet wertvolle Lebensräume für viele andere Insekten, Pilze und Höhlenbewohner wie Spechte und Fledermäuse

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