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Blankenburg/Harz

1810

Das Motiv

8. Blankenburg, Eckersberg
© States Kunst Museum Kopenhagen

Der Standort dieses Malerblicks ist die Teufelsmauer bei Blankenburg. An ihrem östlichen Ende steht der Großvaterfelsen, neben ihm fällt das Gelände steil zur Stadt hin ab. So wurde dieser natürliche Balkon für die vielen Blankenburg-Ansichten des 19. Jahrhunderts der beliebteste Standort. Die Ansicht des dänischen Zeichners ist eine der frühesten Darstellungen von hier und etwas ganz besonderes. Eckersberg räumt dem Großvaterfelsen mehr als die Hälfte des Bildes ein. Stark zerklüftet durch Wind und Wetter war der Fels damals schon, aber noch nicht so ohne weiteres zu besteigen. Ein solch interessanter Vordergrund, der die eigentliche Aussicht fast versteckt, ist ein beliebter Malertrick und macht neugierig auf das, was verdeckt wird.
Schloss und Stadt wirken entrückt. Blankenburgs große Zeit als herzoglich-braunschweigischer Nebenresidenz, wo man mit Heiraten nach Spanien oder Rußland sein Image aufbesserte und das Schloss erweiterte, waren damals längst vorüber. Schloss und Gärten blieben bewahrt, Blankenburg war eine kleine Beamten- und Pensionärsstadt. Das für die kleine Stadt viel zu große Schloss kann besichtigt werden, ein Verein engagiert sich seit Jahren für dessen Sanierung.

  • Christoffer Wilhelm Eckersberg

  • 1810

  • Feder und Pinsel in grau und hellbau über Bleistift auf Papier, 24,4 x 19,2 cm

  • States Kunst Museum Kopenhagen, Inv.-Nr. KKSgb4045

Wandertipp

Wer einmal oben beim Großvaterfelsen ist (Stempelstelle der Harzer Wandernadel), sollte nicht versäumen, die Teufelsmauer auf dem Höhenzug des Heidelberges mit ihren sandsteinernen Felsbrocken, zerzausten Kiefern und wunderschönen Ausblicken bis nach Timmenrode entlang zu wandern. Er wird am Großmutterfelsen vorbeikommen, den es hier natürlich auch gibt. Gut ausgeschildert kann hier der Fernwanderweg Nordsee – Masuren genutzt werden.

Über den Künstler

Christopher Wilhelm Eckersberg (1783-1853) ist der berühmteste dänische Maler des 19. Jahrhunderts. Er war gerade 27 Jahre alt und von Kopenhagen auf dem Weg nach Paris, als diese Zeichnung entstand. Der Harz bedeutete sein erstes Gebirgserlebnis, denn nur 172 Meter hoch ist der höchste dänische Berg. Aber Eckersberg hatte es eilig und scheint nicht lange geblieben zu sein, dies ist eine von nur zwei im Kopenhagener Museum erhaltenen Harzzeichnungen. Es zog ihn zu den berühmten klassizistischen Malern nach Paris, zu Jaques Louis David, später auch nach Italien, wo er sieben Jahre blieb. Dafür hatte er ein Stipendium, für das er sich lange gemüht hatte. Zuvor hatte er sich jahrelang mit druckgraphischen Aufträgen herumgeschlagen. Erst 1809 nach dem Tod von Nicolai Abildgaard, dem Akademiedirektor in Kopenhagen, hatte es geklappt – ausgerechnet für ein schlechtes Bild.

Später gelang ihm alles, was er sich vornahm. Historie, Porträt, Akt, Landschaft. Er tauchte es in seine präzise, aus genauer Beobachtung gespeiste Wiedergabe. Übersteigerung und Romantisierung lagen ihm nicht. 1817 wurde er Professor und Lehrer an der Kunstakademie Kopenhagen, durch seine vielen Schüler verbreitete sich sein Ruhm überall hin, so dass mit ihm Dänemarks Goldenes Zeitalter in der Malerei begann.

Zum Vergleich

8.2 Blankenburg, Anonym
© Privatbesitz

Anonym, Der Großvaterfelsen und Blankenburg, um 1835, Gouache auf Papier, 65 x 93 cm, Privatbesitz

Unser anonymer Maler zeigt einen Besucher, der den Großvaterfelsen bestiegen hat und sich an einem dünnen Geländer festhält. Als Zeichen braunschweigischen Besitzes ist die Welfenflagge gehisst und deren Blau korrespondiert mit dem Himmel und den fernen Hügeln an der Nordseite des Harzes. Die Aussicht zu Schloss und Stadt rahmt der Künstler malerisch durch zwei dünne Bäumchen.

8.3 Blankenburg, Meyerheim
© Neue Pinakothek München

Eduard Meyerheim, Aussicht vom Fuße des Großvaterfelsens auf Blankenburg, 1840, Öl auf Pappe, 20,4 x 30,1 cm, Neue Pinakothek München Inv.-Nr. 8764, im Original farbig

Eduard Meyerheim (1808-1879) entstammte einer seinerzeit bekannten Malerfamilie, auch von ihm gibt es viele Gemälde mit Harzmotiven. Hier handelt es sich um eine wohl vor der Natur entstandene Ölskizze. Sie zeigt nur einige Klippen neben dem Großvaterfelsen, nicht den Felsen selbst. Meyerheim ist nach vorn getreten, um uns ein weites Landschaftspanorama der nördlichen Harzberge mit dem Blankenburger Schloss in Richtung Heimburg zu zeigen. Übrigens verband ihn eine innige Freundschaft mit dem sieben Jahre jüngeren Adolph Menzel.

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