© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Ilfeld

1759

Das Motiv

35. Meil
© Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Das ist ein Malerblick aus der Höhe, der den Aufstieg lohnt, wenn auch der Burgberg inzwischen bewaldet ist und nur hie und da einen Durchblick gestattet. Wir genießen die Ruhe, während unten der Verkehr der Bundesstraße 4 lärmt. Die heute laute Nord-Süd-Verbindung durch den Harz war die Lebensader Ilfelds. Für die Grafen von Ilfeld im 12. Jahrhundert, für das Kloster, das sie einrichteten, für die dort nach dessen Auflösung eingerichtete Schule, die überregional einen guten Ruf hatte. Und auch für Goethe, der hier 1777 im Gasthaus Zur Krone übernachtete und Erstaunliches durch ein Astloch beobachtete, das ihn zur Szene in Auerbachs Keller inspirierte.

Für den Zeichner und Radierer Johann Ludwig Meil war es nur ein Spazierweg zur Burgruine hinauf, denn als Lehrer wohnte er auf dem Schulgelände im alten Kloster gleich neben der Ilfelder Kirche. Die ist auf der Ansicht wie ein Tor zum Harz inmitten der Straße zu sehen, erhielt dann aber vor etwas über 100 Jahren einen Neubau neben der Straße. Von den alten Fachwerkhäusern auf Meils Radierung zeigt der etwas erhöhte, an der rechten Straßenseite liegende Bau, den ehemaligen Gasthof Zur Krone, der ebenso erhalten ist wie übrigens auch das Astloch.

  • Johann Ludwig Meil

  • 1759

  • Radierung, Plattengröße 10,8 x 16,3 cm

  • Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Top. 18a:19.1

Wandertipp

1898 kam mit dem Anschluss an die Harzquerbahn von Nordhausen auf den Brocken der Tourismus nach Ilfeld und nordwärts erstrecken sich vielbegangene Wege zum Kleinen Bodetal und den Rabenklippen. Früher aber war Ilfeld Bergbau-Stadt. Das zeigt der Rundwanderweg um den Ort, der am Kupferschieferbergwerk „Lange Wand“, dem Alabasterbruch am Ochsenloch und sogar einer Goldwaschanlage vorbei führt. (Etwa 2 Stunden)

Über den Künstler

Dieser Künstler hat einen gleichnamigen Doppelgänger oder war er gar alles in einer Person: Maler, Zeichner, Radierer und Bildhauer für Nord- und Sondershausen? Daneben auch noch Lehrer in Ilfeld? 1729 in Arnstadt geboren und 1770 in Ilfeld gestorben? Es herrscht Forschungsbedarf. Wir wissen nur, dass er 1759 diese Ansicht von Ilfeld schuf – als Einzelgänger und lange vor der romantischen Entdeckung des Harzes. Ein Erinnerungsblatt für die Schüler oder deren Eltern? Aufklärerisch mühte man sich in Ilfeld um die anvertrauten jungen Seelen, die mit 15 Jahren eintraten und hier Hochschulreife erwarben. Lehrer blieben tief und dankbar in Erinnerung. „Im übrigen geniessen alle Ilfeldische Schüler einerlei Tractament und Zucht, und wird dabei kein Unterschied beobachtet, als welchen die Verschiedenheit der Naturelle vernünftigen Lehrern an die Hand gibt“, heißt es in einer Ankündigung von 1749.

Zum Vergleich

35.2 Richter
© Schloß Wernigerode GmbH

John Woods nach Adrian Ludwig Richter, Ilfeld, 1838, Bildgröße 10,4 x 15,7 cm, aus: Wilhelm Blumenhagen, Wanderungen durch den Harz, in: Das malerische und romantische Deutschland, Leipzig 1838, aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH

Der Standort Adrian Ludwig Richters, an welchem er die Skizze für diesen Stahlstich zeichnete, war im Kurpark von Ilfeld. Ein Gedenkstein markiert seit einigen Jahren den Ort. Damals war das Gelände noch unbebaut, es ist auf dem Bild Juni und die Zeit der Heuernte. Wie immer erzählt Richter in seinen Landschaftsbildern liebevoll und romantisch verklärend von der Arbeit und vom Miteinander der Menschen. Vorn ein Liebespaar, links dahinter ein Vater, der seinen Sohn über‘s Knie legt und verhauen will, für den aber die Schwester inständig bittet.
Der Leipziger Verleger Georg Wigand ließ Richters Zeichnung in London in Stahl stechen, denn in Deutschland steckte der Stahlstich damals noch in den Anfängen, hier fand er keinen so guten Stecher.

35.3 Gensler
© Hamburger Kunsthalle

Martin Gensler, Zugang zur Krypta der Ilfelder Stiftskirche, 21. August 1857, Aquarell über Bleistift auf Papier, auf Pappe aufgezogen , 30 x 42,5 cm, Hamburger Kunsthalle, Inv.-Nr. HK-2011

Bis heute ist diese romanische Krypta erhalten, aber kein Ort der Route der Romanik oder in Reiseführern erwähnt. Die Stifterplatte, die Elgar II. von Ilfeld und seine Gemahlin Lutrud zeigt, als diese 1189 das Prämonstratenserkloster Ilfeld gründeten, steht auch noch im Vorraum. 1546 wurde das Kloster Schule und ein Zentrum humanistischer Bildung, die mit der Gleichschaltung 1933 und der Einrichtung einer nationalsozialistischen Erziehungsanstalt endete. Nach der Zerstörung Nordhausens im Zweiten Weltkrieg wurde darin das Nordhausener Krankenhaus eingerichtet. Jetzt ist hier die Neander-Klinik, benannt nach dem ersten Ilfelder Rektor Michael Neander (1525-1595). Nach Voranmeldung und im Rahmen von Veranstaltungen ist eine Besichtigung oder auch ein Gebet in der Krypta möglich. Der Hamburger Maler Martin Gensler (1811-1881) hielt sich mehrfach im Harz auf. Sein Blick geht auf den heute noch vorhandenen Zugang von der Krypta zur Klausur. Schon damals muss dieser Ort ein Geheimtipp gewesen sein, denn Darstellungen von ihm sind rar.

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