© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Ilsenburg Eisengießerei

1854

Das Motiv

20. Ilsenburg, Helbig
© János Stekovics

Der Standpunkt ist auf dem Handwerkerhof Ilsenburg, dem Gelände der ehemaligen Gräflich-Stolberg- Hütte mit über 300jähriger Tradition im Eisenkunstguss. Ab 1833 wurde modernisiert und das Dach der neuen Gießerei ein Aussichtspunkt in Ilsenburg – mit Terrasse und Geländer. Man konnte den Besuch der Fabrik mit Naturgenuss verbinden und zum Ilsestein und zum Brocken sehen. In kurzer Folge fertigten mehrere Maler Ansichten von diesem Punkt, auch Ernst Helbig. Die Besucher von Ilsenburg kamen seitdem nicht allein wegen der Harz-Natur, sondern, um sich die weltberühmte Eisengießerei zu besehen und Produkte zu bestellen: Fächer, Briefbeschwerer, Dosen, Schmuck, Figuren oder sogar Möbel aus Eisen.

Unten am Teich befanden sich Werkstätten der für den Erfolg Ilsenburgs so wichtigen Modelleure, rechts ragt noch das Dach der Hütteninspektion hinter der Gießerei hervor. Hier arbeitete Eduard Schott (1808-1895), dem Ilsenburg seinen Weltruhm dankt. Bis in sein 81. Lebensjahr war er unermüdlich tätig. Künstlerisch, beaufsichtigend, aber auch technisch innovativ. Mit seinem Kristallisationsverfahren konnten dem Eisen glatte Flächen und scharfe Kanten abgerungen werden wie nirgendwo sonst.

Der Malerblick ist heute verbaut, der Teich zugeschüttet. Aber von der alten Gießerei stehen noch einige Gebäudeteile, die behutsam saniert werden, denn hier sollen bald Kulturereignisse stattfinden.

  • Ernst Helbig

  • 1854

  • Öl auf Leinwand, 32 x 48 cm

  • Privatbesitz

Wandertipp

In dem wirklich bezaubernden Ilsenburg ist immer noch viel Industriegeschichte zu finden. Für die Erkundung gibt es den Eisenpfad „Vom Erz zum Metall“. Er macht nicht nur in der Eisengießerei Station, die 1993 privatisiert wieder traditionsreich Namen Fürst-Stolberg-Hütte heißt. Er führt auch ins Ilsenburger Hütten- und Technikmuseum. Dort finden sich Darstellungen und Modelle der alten Ilsenburger Kunstgießerei.

Über den Künstler

Doris Derdey hat viele Jahre im Museum gearbeitet, in Wernigerode und auf dem Falkenstein. Sie hat den vergessenen Harzmaler Ernst Helbig mit aufwendigen Recherchen wieder in unser Bewusstsein geholt. In den Kirchenbüchern in Stolberg/Harz entzifferte sie seine Herkunft als 5. Kind des Obergärtners. In Dresden fand sie seine Spuren zwischen 1824 und 1830, schrieb sogar nach Oslo, wo das Tagebuch seines Dresdner Lehrers Christian Clausen Dahl aufbewahrt ist. Doris Derdey suchte in Halberstadt, wo Helbig es von 1830 an mit Lithographieren und mit Kopien nach Carl Hasenpflug versuchte. Das ganze Wernigeröder Intelligenzblatt von 1843 bis 1861 sah sie durch, um Inserate und Nachrichten über Helbig zu finden, im Wernigeröder Archiv fand sie Briefe an den Grafen mit ergreifenden Bitten um Aufträge und Geld, fand auch endlich Steuerbescheide, die ihn ab 1857 als arbeitsunfähig und gelähmt erwähnen, so dass er nicht die 2 Silbergroschen monatlicher Steuer zahlen konnte. In Halle las sie im Tagebuch seines Freundes Friedrich von Suckow, der fünf Bilder zu erschreckend niedrigen Preisen bei ihm bestellte. Endlich fand sie in den Verwaltungsakten des Johanniter-Siechenhauses Mansfeld Hinweise auf seinen Tod in Armut und Blindheit im Jahre 1866. Zum 200. Geburtstag des 1802 geborenen Malers konnte sie dann eine Ausstellung in Wernigerode und ein Werkverzeichnis mit 128 Gemälden präsentieren. 2007 ist Doris Derdey mit nur 63 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Ohne Menschen wie sie, die mit Verstand und Einfühlung ihre Arbeit versehen, geht es nirgendwo, vor allem nicht in der Kultur.

Zum Vergleich

20.2 Ilsenburg, Ripe
© Sammlung Bode, Hamburg, Foto: János Stekovics

Wilhelm Ripe, Ilsenburg von der Eisengießerei aus betrachtet, um 1865, Zeichnung mit Pinsel und schwarzer Tusche auf getöntem Papier, Blattgröße 56 x 76 cm, Sammlung Bode, Hamburg

Hier können wir sehen, was Ernst Helbig und auch andere auf ihren Darstellungen weggelassen haben, weil sie auf dem Aussichtspunkt standen. Wilhelm Ripe interessierte wie immer nicht nur die Kunst, sondern auch das Leben und die Arbeit der Menschen und dafür trat er weiter zurück. So haben wir ein Abbild vom Hochofengebäude mit der Gießerei, links daneben das Kesselhaus (mit dem schlanken Schornstein) und im Vordergrund Haufen von Schlacke und Zusatzstoffen mit vielen Arbeitern und zwei Besuchern, denen ein dritter etwas erklärt. Der Fremdenverkehr interessierte sich eben nicht nur für die Natur, sondern auch für die Technik.

 

 

20.3 Ilsenburg, Crola
© Hütten- und Technikmuseum Ilsenburg

Georg Heinrich Crola, Die Ilsenburger Eisengießerei mit den zwei Hochöfen, 1849, Öl auf Leinwand, 30 x 45 cm, Hütten- und Technikmuseum Ilsenburg, Inv.-Nr. V 1142 K2, zu sehen in der ständigen Ausstellung

 

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