© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Schloß Wernigerode

1850

Das Motiv

16. Schloss Wernigerode, Crola
© Schloß Wernigerode GmbH

Das Rathaus mag in der Stadt Wernigerode der reizvollste Architektur-Höhepunkt sein, das Schloss hoch oben über ihm bietet außerdem noch einen berauschenden Landschaftsausblick zum Harzgebirge. „Kaum möchte ein bewohntes Schloß bedeutendere Lage haben, als das wernigerödsche auf hoher Bergeshalde.“ So heißt es 1834 in Zimmermanns Handbuch zum Harzgebirge.

Das Schloss liegt auf einem Felssporn des Agnesberges. Die eigentliche Bergkuppe aber ist 20 Meter höher und unser Malerblick-Standort. Dieser hohe Standort, der die Landschaft dahinter vor unseren Augen ausrollt, ist der besondere Reiz des Blattes, was der Vergleich mit einer handelsüblichen Vedute rasch zeigt. Auf der Zeichnung von Georg Heinrich Crola sehen wir das Schloss noch in seiner barocken Form unter Graf Henrich von Stolberg-Wernigerode. Damals galt das stille Wernigerode als „Ort im Winkel“. Eine Generation später aber kam ein Umbau in einer Üppigkeit und Dichte von Einfällen, Dekoren und Materialien, der ein Höhe- und Endpunkt der historistischen Epoche sein wird. Neuschwanstein mag hier einfallen und das wäre nicht zu hoch gegriffen. Zu besichtigen sind etwa der Festsaal, an welchem Kaiser speisten, der Rauch-Salon, das Schreibkabinett, die neogotische Schloßkirche und natürlich die Königsräume, die auf Besuch aus Berlin warteten.

 

  • Georg Heinrich Crola

  • um 1850

  • Bleistift auf Karton, weiß gehöht, 16,2 x 14, 1 cm

  • aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH

Wandertipp

Der Malerblick-Standort auf dem Agnesberg ist auch Stempelstelle der Harzer Wandernadel. Nur zehn Minuten Fußweg sind es vom Schloss hierher und trotzdem ist es ein stiller Ort. Empfohlen sei ein Spaziergang weiter bis in den Wildpark, das ehemalige Forsthaus Christianental. Dort fanden schon die Künstler vor 100 Jahren ein gutes Gasthaus vor wie auch heute die Wanderer und Spaziergänger.

Über den Künstler

Der Landschaftsmaler Georg Heinrich Crola (1804-1879) lebte seit 1840 in Ilsenburg mit seiner Frau Elise Crola und beide hinterließen ein umfangreiches Werk schönster Harzmotive, das leider verstreut ist. Aber Crola ist nicht einfach ein Harzmaler, er ist ein Maler von nationaler Bedeutung, um dessen Werke im Kunsthandel sich große Museen bemühen. Er war ein aufmerksamer Beobachter nicht nur von Landschaften, sondern machte sich über das Leben und seine Mitmenschen eigene Gedanken und hielt mit seiner Meinung auch nicht hinter dem Berg. Ein Mann mit Charakter also, der Freunde, Kollegen und Schüler anzog. In Berlin dachte man schon laut über eine Ilsenburger Außenstelle der Akademie der Künste nach. In seinen Landschaftsbildern gibt es meist etwas Besonderes. Auf dieser Zeichnung ist es der Einblick in den Schlosshof und die Harzhänge hoch darüber, ein Motiv, das er übrigens für den Grafen Henrich von Stolberg-Wernigerode noch einmal wiederholt hat.

Zum Vergleich

16.2 Schloss Wernigerode, Helbig
© Stadtarchiv Blankenburg

Ernst Helbig, Schloß Wernigerode mit Brockenblick vom Agnesberg, 1831, Lithographie, Blattgröße 27 x 38,4 cm, herausgegeben von F. W. Wenig Halberstadt, Stadtarchiv Blankenburg (Harz), früher Museum Schloss Blankenburg, Inv.-Nr. V741 K2

Ernst Helbig ist für seine Ansicht auf das Schloss vom Agnesberg nicht so hoch wie Georg Heinrich Crola. Aber diese wenigen Meter machen bei Crola gerade den Zauber der wie ein Teppich ausgerollten Landschaft aus, für Ernst Helbig war diese frühe Lithographie in erster Linie Brotarbeit, mit der er einen touristischen Punkt abbildet, der die Käufer an ihren Wernigerode-Besuch erinnern sollte. Übrigens kennen wir diese Druckgraphik nur in einem Exemplar und das hat Spuren der Zeit: Knicke, Einrisse, Stockflecken und Bräune vom Licht. Die Fachleute in den Museen und Sammlungen sorgen für die Erhaltung dieser Unikate. Gerade diese Spuren atmen das Alter, fast 200 Jahre in diesem Falle.

 

 

16.3 Schloss Wernigerode, Heller
© Harzmuseum Wernigerode, Foto: Norbert Perner

Bert Heller, Schloß Wernigerode im Winter, 1947, Öl auf Leinwand, 1947, 59,7 x 80,3 cm, Harzmuseum Wernigerode, Inv.-Nr.  K 2738

Den Maler und Gestalter Bert Heller (1912-1970) hatte es als Kriegsflüchtling aus dem Osten hierher verschlagen – gleich 75.000 anderen im Kreis Wernigerode. Er blieb bis Ende 1949, dann nahm er Aufgaben in Berlin an, erhielt 1951 den Nationalpreis, wurde akademischer Lehrer, gar Rektor der Kunsthochschule in Berlin und starb 1970 dort. In seiner kurzen Wernigeröder Zeit fertigte er eine Folge von Ansichten. Auch das Motiv vom Agnesberg ist dabei. Das Gerippe des toten Baumes erinnert noch an das eben Überstandene. Auch ein beeindruckendes Wandbild Hellers im Rathaussal hat sich erhalten, das einen Zug von Flüchtenden und einen Zug von in die Zukunft gehenden Menschen zeigt.

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