© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Ellrich Frauenkirche

1854

Das Motiv

34. Litzmann
© Kunsthalle Kiel

Diese kleine Kirche auf dem Marienberg ist fast noch so erhalten wie auf dem Gemälde. Es ist ein Bau aus dem 15. Jahrhundert. Aber die Geschichte der Kirche reicht bis ins Jahr 876 zurück, da ist sie erstmalig erwähnt. Wer nach rechts an die schattige Kirchennordwand tritt, findet einen Portalstein mit dem Kopf eines gelockten Mannes – mehr als 800 Jahre alt und sehr rätselhaft. Dieser stille Ort ist nicht sehr häufig dargestellt worden. Der Maler Heinrich Litzmann stammte aus Mecklenburg und hatte einen besonderen Sinn dafür. Er schenkte dieses Bild gleich 1854, als er es gemalt hatte, dem Kunstverein seiner Wahlheimat Kiel. Vielleicht wollte Litzmann damit den Kielern sagen: Seht, auch in schlichter Form findet sich Großartiges.

Wer, etwa auf dem Karstwanderweg entlang, nach Ellrich in den Südharz kommt, sollte den schmalen Weg mit hölzernem Geländer zum Marienberg hinaufsteigen. Er hat von hier die schönste Aussicht auf die kleine Stadt.

  • Heinrich Litzmann

  • 1854

  • Öl auf Leinwand, 21 x 29,5 cm

  • Kunsthalle Kiel, Inv. Nr. 1

Wandertipp

In Ellrich gibt es Wanderziele für eine ganze Woche. Ob nordwärts in den schluchten- fels- und aussichtsreichen Stadtwald oder nordöstlich nach Sülzhayn und ins Steinmühlental. Unbedingt sollte ein Spaziergang von Ellrich nach Walkenried dazugehören. Es geht über die alte deutsch-deutsche Grenze und zeitweise an ihr entlang, vor allem aber durch Himmelreich und Hölle. Die Hölle war das berüchtigte Außenlager des KZ Dora-Mittelbau (heute Gedenkstätte) in der stillgelegten Gipsfabrik Juliushütte von Ellrich. Die baulichen Reste sind gut kommentiert und zeigen eindrücklich den menschenverachtenden Charakter des nationalsozialistischen Staates. (5 Kilometer, 1 1/2 Stunden)

Über den Künstler

Der Maler Heinrich Litzmann (1824-1910) stammte aus Gadebusch in Mecklenburg. In Berlin studierte er Malerei und hat dann zwischen 1850 und 1880 in vielen stillen Winkeln deutscher Länder gezeichnet und gemalt. Für den Berliner Verleger Alexander Duncker fertigte er Ansichten von Schlössern und Herrenhäusern etwa von Pommern, Schlesien oder Posen. Später wurde Kiel seine Wahlheimat. Hier war sein Bruder ein weithin bekannter Frauenarzt. Und ruhiger als in Berlin war es auch.

Zum Vergleich

34.2 Frauenkirche Ellrich
© Heimatgeschichtliche Sammlung Walkenried

Ansicht der Frauenkirche Ellrich auf einem Notgeldschein, 1921, Leihgabe aus Privatbesitz, Heimatgeschichtliche Sammlung Walkenried

„Wenn alles stürzt und fällt / Ellricher Gips baut wieder auf d. Welt.“ Leicht größenwahnsinnig, dieser Spruch. Ellrich lebte von seinen Gipsvorkommen und nutzte hier sein Notgeld 1921 für Werbung. Der Erste Weltkrieg steckte den Menschen noch in den Knochen. Neben der Trauer über die Lücken in den Familien herrschte Not. Zeit der Weltwirtschaftskrise. Zuhauf wurde Geld gedruckt und Städte und Gemeinden waren erfinderisch, um diese Krise recht schön darzustellen. Man tröstete über die deutsche Niederlage hinweg mit einem nationalistischen Ton wie diesem Ellricher Spruch. Dabei führte die Gelddruckerei zur Inflation und zu großen Lohnverlusten für alle Arbeitenden.

34.3 Hasenpflug
© Städtisches Museum Halberstadt

Carl Hasenpflug, Werna, 20. Juli 1831, Bleistiftzeichnung in einem Skizzenbuch (aufgeschlagen 24,6 x 17,5 cm), Städtisches Museum Halberstadt

Der Maler Carl Hasenpflug lebte in Halberstadt nördlich des Harzes. Wie kam er in das kleine Werna bei Ellrich in den Südharz? Weil sein Halberstädter Auftraggeber Spiegel von Desenberg hier Verwandtschaft und ein Schloss hatte, von dessen schöner Lage er vielleicht schon geschwärmt hat. Carl Hasenpflug trug allein vier Werna-Zeichnungen in sein Skizzenbuch ein, hier ist die Ansicht von Südosten mit dem Harz im Hintergrund zu sehen. Das schöne Renaissance-Schloss derer von Spiegel überragt die übrigen Häuser. Es wird – seit 2011 Eigentum des Landkreises Nordhausen - Schritt für Schritt saniert. Dieses Skizzenbuch wurde erst 2002 nach der großen Hasenpflug-Ausstellung in Halberstadt bekannt und zeigt des Künstlers Sorgfalt auch in der kleinen Zeichnung. Hasenpflug hat übrigens auch die nahegelegene Klosterruine Walkenried von Werna aus erkundet und gerade sie hat er seitdem immer wieder in Gemälden dargestellt. So verbindet der Aufenthalt Hasenpflugs in dem kleinen Werna sein frühes Werk als Architekturmaler mit dem späteren als Klosterruinen-Maler.

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