© Fotoweberei/Schloß Wernigerode GmbH

Osterode Hohe Warte

1760

Das Motiv

29. Osterode, Weitsch
© Städtisches Museum Braunschweig

Wer Malerblicke sucht, muss auch über die alten Wege nachdenken. Wer die alten Wege finden will, muss sich von heutigen Verhältnissen lösen und Jahrhunderte zurück versetzen. Die Teufelswarte südöstlich von Osterode ist ein guter Ort dafür. Sie entstand im 13. Jahrhundert und ist Teil eines Systems von Türmen, deren Wachmannschaften miteinander im Austausch standen und rasch Signale über auffällige Beobachtungen weitergeben konnten. Auf dem Uehrder Berg südlich von Osterode stand schon der nächste Turm, die Herren auf der Alten Burg in Osterode, einer Reichsburg, wollten eben rechtzeitig informiert werden.

Natürlich standen solche Warten an wichtigen Straßen, wenn diese bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auch nur Fahrwege waren. Die Teufelswarte lag an der Hohen Straße, deren Straßenname sich im Abschnitt Osterode-Düna bis heute erhalten hat. Die Hohe Straße oder Via Regia war die große Ost-West-Achse des Reiches, an ihr fanden sich sogar römische Münzen.

Die Maler nutzten die großen Wege mit der Postkutsche oder auch wandernd. Zu groß war die Unsicherheit abseits und die Gefahr sich zu verirren. Hat hier der Maler die Alte Burg in Osterode an die Stelle eines Wartturmes gesetzt und Eindrücke einer Wanderung zu einem Bild verschmolzen?

  • Pascha Johann Friedrich Weitsch

  • um 1760

  • Öl auf Holz, 21,3 x 17,3 cm

  • Städtisches Museum Braunschweig

Wandertipp

Ein Rundwanderweg von Osterode über Düna und Ührde führt an der Teufelswarte, der Uerderberg-Warte und der Alten Burg von Osterode vorbei. Wir können über Topographie und Malerphantasie unseres Wartegemäldes nachdenken, dass er einen eckigen Turm zeigt, den es hier nirgends gibt. Es ist eine überraschend schöne Tour durch hügelige Landschaft mit Ausblicken auf den Harz von Süden (ca. 15 Kilometer, 3 Stunden, teilweise auch auf dem Karstwanderweg verlaufend)

Über den Künstler

Pascha Johann Friedrich Weitsch (1723-1803) hat alles mit großer Leidenschaft gemacht. Als 33jähriger Soldat stürzte er sich auf die Malerei, vergaß alles um sich und saß nur noch und lernte, denn er hatte nichts außer seinem Talent. Aber vom vielen Sitzen in der Stube wurde er ganz krank und wir danken dem guten Arzt Benedikt Brückmann für die richtige Diagnose. Weitsch müsse wieder raus an die frische Luft und laufen, viele Tage und Wochen. Das machte der und beim Laufen kam Weitsch auch auf die Idee, Harzmotive auf Porzellan zu bringen. Die Geschichte der künstlerischen Entdeckung des Harzes begann also um 1760 mit einer ärztlichen Empfehlung, die für alle heute noch gelten kann, die viel Zeit in ihren Stuben verbringen.

Gehen macht gesund, eine wahre Geschichte

„[…]ich bin kein Soldat mehr aber Mahler nun Gotlob … und so verließ er den Soldatenstandt nach zurück gelegten 12 Jährigen Dienste. – Seine Lebhaftigkeit, und Fleißiges anhaltendes beym Mahlen, und daß nun gleich viele Sitzen bey dem Porcelain Mahlen, brachten ihm so almählig zur Hypocondri das er selbst nicht wußte, waß ihm Fehlte. –der Leib Medicus Brückmann ein Freund von ihm, durch Kunstliebhaberey, fand das Übele gleich und lehrten ihm wieder gehen, die Kräfte waren weg und so nahm Er ihm mit auf die Straße welches einige Tage derselbe mit ihm vornahm, bis er wieder allein alle Tage gehen mußte, und so wieder zu seiner gewöhnligen Gesundheit kahm, hatte auch nimals eine schwere Kranckheit gehabt, der Habt=grund darzu war! Eine Frohe Gesunde und darbey stränge Ordnungsliebe in seinem Essen und Trincken – und Unabläßig Fleißig bis kurtze Tage vor seinem Tode dennoch immer Gearbeitet. –

(…) Werend des 7.jährigen Krieges war bey der Porcelain Faberique nicht viel zu verdienen, daher der nunmero Mahler W. immer in Öhl mahlte, und sich damit Unterhalt für die Familie verdiente, in dieser Zeit war seine Kräncklichkeit an der Hypoconderi, die ihm glauben machte alle Tage were der letzte, nach dem Kriege wurde ein Tafel=Service vom Herzog bestelt wozu auch W. einen Probeteller mahlen mußte, er hatte eine benachbarte Gegend der Stadt Braunschweig gemacht, unter den Teller den Ordt benant. – Dieser Teller gefiell dem Herzog so sehr, daß er von W. wollte, das ganze Serviss gemahlt haben mit Städten, Pflecken, Ämter, Dörfer, aus dem Braunschweigischen Lande – hier wurde nun vollens sein Hipoconderei gehoben, indem er mit einen Boten, der ihm seine Sachen trug eine Fußreise an der Wäser machte um Städte, Dörfer, aufzuzeichnen, zum behuf des Serviss.“ (Vom Sohn des Malers 1815 aufgezeichnet)

Zum Vergleich

29.2 Osterode, Freckmann
© Heimat- und Geschichtsverein Osterode

August Freckmann, Hohe Warte (Teufelswarte), 1920er Jahre, Öl auf Leinwand, Repro: Heimatverein- und Geschichtsverein Osterode, Verbleib unbekannt

29.3 Osterode, Lasius
© Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz

Georg Siegesmund Otto Lasius, Kurhannoversche Landesaufnahme, 1783, Handzeichnung, Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Sign. Kart. N 25564 Blatt 143

Diese Karte zeichnet sich durch große Sorgfalt aus. Georg Siegesmund Otto Lasius (1752-1833) hat hier ein beeindruckendes Werk vorgelegt. Dargestellt ist auf diesem Blatt die Gegend von Bad Grund bis zum Teufelsbad bei Osterode, hier wird aber nur der Ausschnitt von Osterode bis zur Warte wiedergegeben. Merkwürdig ist, dass die heutige Teufelswarte als „Halbe Warte“ bezeichnet wird. War dort eine Warte, von der nur eine Hälfte noch stand, wie das Weitsch auf seinem Gemälde von 1760 zeigt?

Vor allem aber zeigt die Karte, dass die alten Straßen auf der Höhe und nicht im Morast verliefen wie die heutige B 243, die als Reichsstraße zwischen Hildesheim und Nordhausen erst 1937 gebaut wurde. Eine weitaus dichtere Folge von Teichen als heute befand sich damals im Tal der Apenke, darunter schon das Kleine und das Große Teufelsbad.
Hier auf der Hohen Straße zwischen Herzberg und Osterode war auch Johann Wolfgang von Goethe im August 1784 unterwegs, zumindest seine schwer beladene Kutsche. Er ritt wie wir wissen.

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